Buenzli's Blog

Auf der Suche nach der neuen Heimat

Weiche von mir, (Sprichwort-)Teufel! August 28, 2009

Einsortiert unter: Kurze Anekdoten von Herrn Bünzli — Detlef Bünzli @ 8:58 vormittags
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Weiche von mir, (Sprichwort-)Teufel!

Herr Bünzli steht täglich an den Gleisen in Zürich und wartet auf den Zug, um

wieder nach Hause zu gelangen. Klingelt dann sein Natel, also dessen Handy,

überlegt er des öfteren nicht anzunehmen.

Sobald Detlef nämlich ein: Tagchen, Hi, Hallöchen oder Servus in die Ohrmuschel

flüstert, drehen sich wie angestochen sämtliche Schweizer in seiner näheren

Umgebung um und starren ihn an, als hätte er Pestbeulen und Fleckfieber.

Ebenso gut könnte Bünzli auf  der Bahnhofstrasse am hellerlichten Tage die

Cordhose runter lassen und einen dreissig Zentimeter grossen Kackhaufen auf den

Trottoir setzen. Das hätte den gleichen Effekt…

Voller Grausen starrten sie ihn an, sobald er sich als Deutscher entlarvte.

Nachdem Bünzli kaum mehr als ein Wort gesprochen hatte, war der Umgebung

klar:  “Aha, ein schiiss Dütscher!” Na klasse, darauf lässt sich was aufbauen…

Nun gut, nachdem nun langsam durchgesickert sein sollte, dass zwischen Mundart

und Hochdeutschem der ein oder andere Unterschied besteht, jeder Deutsche sofort

auffällt,  sobald er den Mund öffnet, kann nun Detlef Bünzli davon berichten, wie

sehr doch manchmal unabsichtlich die Barriere zuschlägt.

Bünzli kommt aus einem gutbürgerlichen Elternhaus, während manch anderes Kind

auf dem Feld spielte, wurde Bünzli mit Büchern und anderer pseudo-intellektueller

Nahrung bereichert. Natürlich ist es auch in Deutschland nicht gross anders, denn

dort gibt es genügend Sprichwortabstinenz, vorab und zwischendurch möchte Detlef

also darauf hinweisen, dass das selbstverständlich keine Pauschalisierung sein soll,

aber mit Sprichwörtern haben es die Schweizer nun mal nicht so.

Auch wenn der eine oder andere Schweizer im stillen Kämmerlein ohne Zeugen

zugibt, dass die Deutschen, u.a. nicht so beliebt sind, weil sie den Schweizern in der

Sprache und in der Anwendung von Fremdwörtern, Sprichwörtern, im gesamten

Volumen und Repertoire an Wörtern überlegen sind, bzw. zu sein scheinen,

doch hochoffiziell möchte das kein Schweizer zugeben, dass dem so ist.

Redewendungen wie:  “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”, “Morgenstund

hat Gold im Mund”, ”Aller Anfang ist schwer”,  “Bescheidenheit ist eine Zier, doch

weiter kommt man ohne ihr”, usw. sollte so manch einer kennen.

Bünzli ist davon ausgegangen, dass zumindest die typischen Kalauer bekannt sein

sollten. Denkste!

Eine schöne, laue Sommernacht, Bünzli sass mit guten Bekannten, nein, nicht der

Bratwurst und dem Dosenbier, sondern wirklich seinen schweizer Bekannten in der

Beiz bei einer Stange. Ganz nach dem Motto: Eis hämmer no immer gno, lief eins

ums andere die trockene Kehle hinunter. Als sich Bünzli dann gerecht der Bünzli-

Manier gegen 23Uhr verabschiedete, weil er morgen gegen 7Uhr aufstehen wolle,

um etliches zu erledigen, erntete er ungläubige Blicke.  Zum Samstag halb im

Dunkeln raus? Und dann kams:  “Na klar, der frühe Vogel fängt den Wurm!”

Sie starrten Detlef an, als… ja… nun… hmm… seufz.

Wieder könnte man nun auf Pest und Fleckfieber verweisen und ebenso auch auf den

kurzen, sehr treffenden Vergleich mit dem Kackhaufen in der Bahnhofstrasse, aber

lassen wir das. Kaum ein paar Wochen später hatte sich Bünzli wieder einmal nicht

im Griff. Inmitten einer fröhlichen Runde am Mittagstisch posaunte Detlef, sich

keiner Schuld bewusst, passend auf einen Lobgesang über den schönen Tag ein:

“Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!” raus, freute sich dabei wie ein

Schnitzel, dass nun endlich seine eigene Erziehung Früchte trage, um den anderen

zu zeigen, was er alles könne… Nein, natürlich nicht! Bünzli merkt nicht einmal,

dass er solche Sprichwörter verwendet, denn die sind bei ihm im täglichen

Sprachgebrauch enthalten. Er macht das nicht mit Absicht,

um dem Schweizer zu zeigen, was gutes Deutsch wäre, das könnte er wesentlich

leichter erreichen…

Aber natürlich erntete Detlef keinen Szenenapplaus für den tollen Spruch, nein, er

bekam zu hören, dass er doch endlich mal seine arroganten Sprüche sein lassen

solle! (Natürlich jetzt frei übersetzt, nicht in dem Wortlaut.)

Ohha, na prima. Sollte Bünzli jetzt darauf hinweisen, dass man solche Sprüchwörter

beherrschen sollte, wenn man behaupten möchte gutes Deutsch zu können oder,

dass man diese Sprüche durch vieles Lesen einfach unmerklich in sein Repertoire

aufnimmt? Aber eure Sache. Detlef kennt eben etliche Sprüche

und das ist auch gut so. Und irgendwie sollte es auch so sein, egal ob deutscher oder

schweizer Herkunft.

Doch Bünzli schwieg mal wieder und dachte nur grinsend bei sich:

“Jeder blamiert sich so gut er kann!”

Und da bekanntlich das Leben kein Wunschkonzert ist, nahm Detlef die

Begebenheit einfach hin und mit einem besonderen Schmunzeln wünscht Detlef

allen heute einen sonnigen Tag,

euer Herr Bünzli

P.S.: “Weiche von mir, (Sprichwort-) Teufel!, ist eine Anlehnung an das Sprichwort:

Weiche von mir, Satan!”

 

 
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