Buenzli's Blog

Auf der Suche nach der neuen Heimat

Zum Thema: Schweizer Gründlichkeit August 19, 2009

Einsortiert unter: Kurze Anekdoten von Herrn Bünzli — Detlef Bünzli @ 7:10 vormittags
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Schweizer Gründlichkeit

Schweizer sind von Natur aus sehr gründlich. Nicht nur, im wahrsten Sinne des

Wortes, an ihrem Wasch- und Putzfimmel erkennbar, geschweige denn an ihrem

Äusseren, worauf  sie besonderen Wert legen, eventuell um das eine oder

andere Manko zu vertuschen, aber das ist ein anderes Kapitel…

Zurück zur Gründlichkeit: alles wird, siehe dem Bild links vom

Text, in einer unglaublichen Akribie ausgeschildert, angezeigt und

ausgeführt! Herr Bünzli vermutet dahinter die Ruhe, des Schweizers an

sich. Bereits im Verkehrsamt scheint der Schweizer im Allgemeinen da zu sitzen,

sein Gipfeli mit Ovo zu geniessen und sich dann mal in Ruhe zu überlegen, was

denn heute so alles erledigt, oder eher besser, getan werden könnte. Natürlich nicht

von 12 bis 14Uhr, denn da ist meistens “Siesta Svizzera” angesagt.

Diese Gründlichkeit durch kreuzt doch immer wieder Bünzlis Weg. Auf dem

Migrationsamt, bei der Krankenversicherung, am Arbeitsplatz, in der Freizeit eh und

nun auch noch von einem Bekannten des Herrn Bünzli bestätigt. Detlef Bünzli hat,

wie die Vorurteile es auch gern mal unterstreichen, hier und da den einen

oder anderen Landsmann als Bekannten. Nein, nicht um die Schweiz von innen

raus zu demolieren und demoralisieren, sondern weil es nun mal so ist: ein

Deutscher findet den anderen Deutschen- glasklar basiert auf Fakten, schweizer

Fakten. Detlef möchte euch nun eine kurze Geschichte von Herrn Jens-Uwe

Schwabe berichten. Jens-Uwe Schwabe heisst natürlich jeder dritte Deutsche,

denn prinzipiell sind ja auch alle Deutschen Schwaben, egal, ob sie plattdeutsch

oder sächsisch plappern. Es war ein schöner Tag, als Jens-Uwe den Zoll passierte.

Sein Auto war vollgepfropft mit Umzugsgut. Er hatte absichtlich nur den PKW

genommen, seine alten Möbel verkauft, um den Neuanfang hier richtig auskosten zu

können, besonders in den preisgünstigen schweizer Möbelhäusern, man gönnt der

Wirtschaft ja sonst nichts.

Nach acht Stunden Fahrt und einem ätzenden Stau, wie immer bei Stuttgart, bog

Jens-Uwe in die Strasse seiner neuen Bleibe ein. Jens-Uwe war glücklich. Der junge

Herr Schwabe war nun angekommen, nahm den Schlüssel entgegen und wollte sich

daran machen sein Auto auszuladen. Doch dann geschah es: ein alter schweizer

Herr mit deutlich zu viel Langeweile und guter schweizer Gründlichkeit kam

meckernd und zeternd auf ihn zugestürmt. Jens-Uwe war völlig perplex und

konnte kein Wort verstehen. Der überforderte Schwabe machte ihn darauf

aufmerksam, dass er Deutscher sei und nur schlecht verstünde, was er, der alte

schimpfende Haudegen, von sich gab! Kurz von seinem Redefluss gebremst, starrte

der Herr auf Jens-Uwes Kennzeichen, dann gings weiter.

Mit vielem guten Willen versuchte Herr Schwabe zu verstehen… Aha… ähem… ach

so… ja… äääähhhh… Äxgüsi!

Nun also folgende Problematik: Jens-Uwe Schwabe war noch nie zuvor dort, nur

kurz zum Bewerbungsgespräch und um die Wohnung zu besichtigen. Jedoch hätte er

sich einen Anwohnerausweis zum Parkieren für seinen PKW bestellen müssen.

Das hätte ihn nur ein paar Franken gekostet und zwei, drei Wochen gedauert. Weiss

doch jedes Kind! Was er natürlich aus Böswillen nicht tat. Abgesehen davon waren

die Parkplätze allesamt belegt, also wagte es Jens-Uwe mit seiner

deutschen Verfrorenheit das Auto auf einem Besucherparkplatz abzustellen! Das

geht doch nicht! Eine Dreistigkeit! Unmöglich, immer diese Deutschen. Natürlich.

Jens-Uwe versuchte dem gackernden Alten zu erklären, dass ihm garmnichts

anderes übrig blieb, als dort zu parken, um sein Auto zu entladen, denn er läuft

garantiert nicht drei Blöcke weit, um der schweizer Gründlichkeit nachzukommen,

indem er ordnungsgemäss parkiert. Der alte Herr drohte mit Polizei und

Abschleppwagen. Nachdem er Jens-Uwe während des ganzen Ausräumens

bösartig belegte und ihn immer wieder auf die rechte Bahn des Lebens und des

Gesetzes lenken wollte, hatte Jens-Uwe kaum noch Nerven.

Sein Abschiedsgruss an den Herrn lautete: “Bitte tun Sie sich keinen Zwang, rufen

Sie die Polizei, und Sie können Sie auch gleich für morgen bestellen und

übermorgen, denn auch dann werde ich dort parken!”

Heute wohnte Jens-Uwe noch immer dort, mit Anwohnerausweis

zum Parkieren, grüsst den alten Herrn jeden Tag aufs Freundlichste, wenn der mit

seinem scheppernd lauten Radio von früh bis spät- übrigens gegen das Gesetz-

die ganze Wohnanlage mit seiner Volksmusik gruusig quält!

An dieser Stelle ein freundlichstes Grüezi von Jens-Uwe Schwabe und mir,

Detlef Bünzli

 

 
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