Wie leicht ist es, heftigste Begierden durch die oberflächlichsten Gegenstände in die Irre zu führen.
(Jean- Jaques Rousseau)
Vielleicht mag der eine oder andere schon bemerkt haben, dass der Schweizer an
sich ein fortschrittlicher Typ ist, modern und mondän. Ob es sich dabei um den
neuesten ipod, iPhone, der noch schnellere Apple Mac und den anderen neuen der
neuesten Errungenschaften der Technik handelt. Nun mag man eventuell geneigt
sein zu denken, dass es wieder nur ein Klischee sei, dass wiederum der Deutsche
ebenso fortschrittlich ist (in Berlin vielleicht, maximal noch in München oder
Hamburg) und dass andererseits sicherlich im Wallis nicht Bauer Huber einen
niegelnagelneuen iPod touch besitzt, das mag alles stimmen, aber es ist doch recht
auffällig, dass die Altersgruppen Alkopops bis Whisky- Degustation immer auf dem
neuesten Stand sind. Up to date, sozusagen.
Aber dieser Stand der Technik ist in den Händen mancher Schweizer ein echter
Schaden. Sie nutzen diese modernen Dinger, um die Ohren und Nerven Bünzlis
mächtig zu strapazieren! Detlef fährt jeden Tag auf Arbeit und von der Arbeit
wieder zurück, also zehn Fahrten die Woche, sei denn er trifft sich abends mit
Kollegen auf eine Stange. Und um wie viel wollen wir wetten,
dass sicherlich auf mindestens fünf Fahrten in der Tram irgendeiner seinen ipod
bis zum Ohrenbluten laut gestellt hat, dass man selbst zig Sitzplätze hinter ihm den
kratzenden Bass und überlautes Gekreische im Kopfhörer einprägsam hört.
Da bekommt doch Luut&Tüütli gleich einen Imageschaden kostenfrei mitgeliefert.
Denn das Gewummse von der Desperados-Corona-Generation muss Bünzli nicht
unbedingt laut und deutlich haben, während er entweder noch übermüdet auf Arbeit
tuckert oder bereits wieder völlig übermüdet von der Arbeit durch zahlreiche Kurven
zurück nach Hause gerüttelt wird. Doch was ihn am meisten verärgert, ist die
dumme Angewohnheit etlicher Schweizer erst nach ein paar Tagen Emails, SMS und
verpasste Anrufe zu beantworten. Da geben sie schon ihre Franken massenweise für
moderne Kommunikationsmittel aus und dann nutzen sie diese nicht. Doch,
natürlich, für facebook, MySpace und Konsorten, um mit dem iPhone Fotos zu
schiessen, dann schnell Fotos hoch zu laden, um diese dann noch schneller zu
verlinken. Hiiiiiilfeeeeeee! Denkt sich da Herr Bünzli.
Aber zurück zur Problematik:
Detlef hat bereits in seinem Bekanntenkreis, in seinem deutschen Bekanntenkreis
sollte man dazu erwähnen, die Thematik gehabt, dass Mails, selbst wenn es
wichtige Absprachen dienstlicher Natur oder Rechnungen sind, erst Tage, nahezu
Wochen später beantwortet werden. Kurznachrichten auf dem Natel werden
prinzipiell erst zwei, drei Tage später beantwortet, aber in der Regel vier bis fünf
Tage später. Und dann meist mit einer solcher Pointe, die hätte Heinz Ehrhardt,
Dieter Nuhr und Kurt Krömer zusammen nicht übertreffen können.
Im Stil von: “Sehen wir uns Dienstag oder Mittwoch?” Einfache Frage sollte man
meinen. Antwort: “Ja, isch guet.” Einfache Frage, einfache Antwort- das war dann
wohl doch zu viel verlangt. Eine solche Situationskomik ist tagein, tagaus
Programm und natürlich würde Bünzli jede menge Lacher verpassen, wenn er
auf den Kontakt mit dem Käsevölkchen verzichten würde, vor allem via SMS.
Übrigens sollten sich neue Zugezogene nicht wundern, denn Geburtstage und
andere persönliche festliche Anlässe werden ebenso flüchtig, wie gar nicht beachtet,
wie eine SMS am Handy oder eine von zig Mails im Posteingang im neuen Mac.
Und wenn sie dann ihre SMS beantworten wollen oder ihre entgangenen Anrufe
kontaktieren, machen sie das prompt im Zug. Natürlich, wo sonst kann man so
viel ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Und von der Flaute des Typen letzte
Nacht im Bett erzählen, über die Cellulite seiner Arbeitskollegin herziehen oder von
dem offenen Beinbruch des Nachbarjungen im Detail berichten. Im Zug, wo kaum
einer flüchten kann. Das Berichtete dann breit ausdehnen und die Stimme volles
Rohr aufdrehen und alles raus posaunen, was einem so durch den Kopf schiesst.
Manchmal möchte Bünzli vor Wut Wände einrennen. Ab durch die Mitte und
ein fröhliches: “Ich bin dann mal weg.”, und wenn es auf zum Jakobsweg ginge.
Detlef hat sich inzwischen angewöhnt rechtzeitig Kurznachrichten und Emails
zu schreiben und Geburtstage ignoriert er inzwischen gekonnt, wenn auch voller
Unbehagen, aber man kann ja nicht alles haben und wir sind ja hier nicht bei
“Wünsch dir was!” sondern bei: “So isses!”.
Aber Hauptsache sie haben das neueste technische Spielzeug errungen, können es
überall, gebeten oder ungebeten, präsentieren und dadurch mit der High Society
mithalten. Und da schliesst sich der Kreis. Oberflächlichkeit ist laut Definition,
wenn etwas nur von der Oberfläche her betrachtet, etwas nur kurz und flüchtig
bewertet wird und wenn jemand kein Interesse für geistige Werte und Charakter
hegt. Manchmal sehr passend. Leider. Und wie passend dazu das Zitat von
Rousseau: “Wie leicht ist es, heftigste Begierden durch die oberflächlichsten
Gegenstände in die Irre zu führen.” Was nützen mir iPhone, Ipod und Co. wenn ich
innerlich verkomme und meinen Charakter nicht pflege. Denn eigentlich sollten
es diese Dinge sein, die im Leben zählen. Aber genug des Ernstes. Kommen wir
zurück zur Leichtigkeit des Seins, Detlef wird nun noch schnell auf seine persönliche
Plattform gehen und um die Worte Rousseaus weiter zu nutzen:
“Wie könnte man auf der Stelle jemandes Freund sein,
den man noch nie gesehen hat.” Noch schnell ein paar Freunde in seine
Kontaktliste aufnehmen, die ihn dann alle auf ihren Fotos verlinken können-
den spleenigen deutschen Freak in Cordhose mit Dosenbier und einer f6 in der
Hand, danach wollte Detlef noch schnell seine Mails checken, die er schon seit
Tagen im Posteingang absichtlich ignoriert hat. Denn was tut man nicht alles,
um der Norm zu entsprechen.
Einen schönen Tag an alle,
euer Deltef

Halt doch endlich die Klappe! Und noch wesentlich









