Carl Hirschmann macht Urlaub in Lybien
Liebe Freunde der sanften Worte, heute ist der Tag after tomorrow und Detlef hat tüchtig aufzuräumen.
Natürlich weiss er, dass der tollste Schweizer aller Schweizer (nach Federer und DJ Bobo) ein grosses
Thema ist, denn selbstverständlich ist der tolle, grossartige und einzig malige Carl Hirschmann der
Inhalt aller Nachrichten schlechthin und wer dafür kein Verständnis aufbringt, ist doof und was weiss
Detlef noch… Ganz klar, wer einen Hirschmann nicht ehrt, ist einen Gaddafi nicht wert!
Und dieser Satz ist so furchterregend, dass Bünzli sich seinen restlichen Tropfen Liebfrauenmilch nur
so runter stürzen muss. Ekelhaft. Wie kann ein Mann mit mehr Brusthaar als Gehirnwindungen derart
aktuell sein, wie kann sich eine Regierung von einem Mann mit mehr Allüren als Diskursen
einschüchtern lassen- es ist dem Spiessbürger vom Lande unklar. Übrigens sollte sich
Bünzli an dieser Stelle “outen”. Seit Beginn hat er unwissentlich ein Geheimnis mit sich getragen.
Nun wird es widerlich, abartig und schrecklich für alle Leser: Bünzli ist Klassik-Fan! Er hört die
Märchen von Sergei Prokofjew und liebt die Werke von Tschaikowski- eventuell kommt in dem
Moment der uneingestandene Hang zur Heimat dessen Mutter durch, aber er liebt doch ebenso alle
Gedichte von Erich Kästner, Heinz Erhardt und vor allem Butler James von “Dinner for One”… aber er
liebt neben dem alltäglichen Besuch seiner glatt- und glänzend polierten Gartenzwerge doch auch
seine Partnerin. Seine ehemalige Partnerin. Danke, danke für die Dose Mitleid, für den Beutel an
Beileidsbekundungen, danke für die unmessbare Quote an Einfühlungsvermögen.
(P.S. an Ronny: Detlef findet es nicht geil, dass du sie knallen willst- auch wenn es für sie und dich
eine Enttäuschung wäre.)
Ja, die kam doch zu kurz. Ursina Bühler. Der Name war Programm. Vier Jahre lang hat sie
ihm jedes Putztuch für seine Zwerge gereicht. Bünzli hat diese Frau über alle Massen geliebt, aber wie
die Schweizer nun so sind, hat sie ihn oberflächlich und ohne Kampf grundlos abgeschossen. Bünzli
wollte immer sein Privatleben schützen, zu ungern hat er Paperazzi vor seiner Terrasse angetroffen.
Detlef ist sich seines Marktwertes bewusst: er ist ein schicker Mann in der Blüte seines Lebens. Er hat
Geschmack, sieht laut seiner Kumpels aus dem Verein für das Gedächtnis der ostdeutschen Heimat
nicht so schlecht aus, zumindest nicht wie Sven, der letztens in seinem Erbrochenem liegen blieb,
wäscht sich regelmässig und ist ein nettes Kerlchen, das aufräumt und zumindest ein Spiegelei braten
kann, doch das hat nicht ausgereicht. Bünzli war in einem tiefen Loch. Schwarz war nicht nur die
Nacht, sondern auch der Tag. Voll Schmerz war nicht nur seine alte, dicke Katze, die inzwischen an
Ursina gewöhnt war, schwarz war auch dessen… Leber und Lunge. Detlef musste sich erst wieder
ins Leben zurück kämpfen. Er war glücklich. Seine Arbeit, sein Zuhause, seine Frau. Von einem auf
den anderen Tag warf sie ihm die Schlüssel an den Kopf: “Schön, dass du da warst, schöner, wenn du
jetzt gehst!” Und der Bünzli sah der Tiefe der Bierflasche entgegen. Warum und weshalb, das sind
Wörter, die einer schweizer Erörterung nicht wert nicht. Warum auch kämpfen und Gedanken
machen, wenn man den alten Gartenzwerg, der ein, zwei Blessuren von Sturm und Regen hat, genauso
gut austauschen könnte gegen einen neuen, preiswerten aus Polen. Viel Spass mit Pawel aus Polen,
der Handys verkauft und nicht fähig ist bis drei zu denken. Bünzli ist momentan voller Zorn und
Trauer. Selbst Hilde mochte Ursina. Detlefs Mutter, die er nur ungern erwähnte, Brigitte-Sabine Bünzli
mit Namen, schenkte ab und an nach ein, zwei Nordhäuser Doppelkorn ihrer Schwiegertochter in spe
ein klitzekleines Lächeln… mit viel Fantasie. Nun ja, es passt zu deren Charaktereigenschaften. Einen
Menschen abservieren, nach so langer Zeit- während sich Bünzli bis dato mindestens ein Bein und
drei Finger für sie ausgerissen hatte, alles getan, erledigt und immer da war. Doch nun muss Detlef
nach vorn blicken und hofft auf eine bessere Zukunft, was ihm bitte gelingen möge, wobei er zur Zeit
noch nicht weiss wie. Aber eventuell hat der eine oder andere hier die passende Idee für ihn, nur bitte
möge man ihn mit der Idee verschonen sich beim “Swissdate” zu bewerben, denn eher müsse man ihm
einen Haufen Geld bieten, als das er sich für diesen Kommerz verkaufen würde.
Detlef wünscht euch allen eine gute Nacht da draussen, und dass es euch allen besser gehen möge, als
ihm. Nun wird er noch etwas in der “Blick” blättern, um den Anschein des Alltäglichen zu wahren.
Hoch lebe Carl Hirschmann und schicke man ihn doch bitte recht passend als Vermittler nach Libyen.
Hoch lebe die Liebe und der Wein, egal wie preiswert die Flasche war. Hoch lebe der Kummer, der die
Menschen zerfetzt und unglücklich werden lässt und hoch lebe der Filmriss, der nach 2 Flaschen
Wein das Leben leichter erscheinen lässt.
Guats Nächtle!
Detlef Bünzli