Das Positive stirbt bekanntlich zuletzt!
Genesen und fröhlich gestimmt, möchte nun Herr Bünzli in Ruhe ein paar Worte am
Abend seiner neuen, besser gesagt, nicht mehr ganz so neuen Wahlheimat widmen.
Detlef ist doch den einen oder anderen Tag an der hiessigen Universität in Zürich
anzutreffen und was ihm dort den Weg kreuzt, ist manche Anekdote wert.
Wer bereits am Zentral entlang kam und sich wunderte, was um kurz vor zehn Uhr
mindestens fünfzig Magersüchtige auf einem Haufen zu suchen haben, der scheint
nicht zu wissen, dass dort die Polybahn abfährt, um die Dollys ins Gehege der
Universität zu treiben. Seit Wochen überlegt sich Bünzli einen peppigen Gag
darüber, aber leider fällt ihm kein lustiger Vergleich ein, weil es einfach derart
grotesk und eine neue Art des absurden Theaters darstellt. Jedoch ist das keine neue
Feststellung, allerdings möchte unser Detlef an dieser Stelle nochmals an deren
Männer appellieren: gebt den Kleiderständern doch bitte was zu essen!
Mancher Morgen ist voll Ekel und Grusel dem Wiederkäuen geweiht, nicht nur deren
Morgen. Das ist visuelle Peinigung, die neue moderne Form der Folter. Dreimal
lieber liesse sich Bünzli minütlich einen Tropfen kalten Wassers auf die Stirn fallen!
Doch was er neulich zu Ohren bekam, war doch noch ein Highlight auf dem bereits
schon zig mal übertroffenen Highlight. Bekam doch Detlef am Rande der Erzählung
mit, dass Dolly 1 zu Dolly 2 sagte, dass sie Zähne putzen gehen müsste. Hmmm,
okay. Zahnarzttermin vielleicht, dachte Bünzli bei sich. Doch später ging ihm ein
Licht auf: böser Hunger-Rachengammel, zu wenig getrunken und dazu noch
mindestens zehn Parisienne und Kaffee schwarz dazu. Nuttenfrühstück, gängiges
Barbie- Ritual. Wieder konnte Bünzli ein neues Geheimnis aufdecken, denn
scheinbar war die hohe Verkaufszahl an Zahnbürsten nicht nur auf ihr
Werkzeugmissbrauch zum täglichen Erbrechen zurück zu führen, sondern auch auf
krankhaftes Putzverhalten mit abgefüllten Wasserflaschen auf einer öffentlichen
Toilette. Das war für den Bünzli wirklich neu, natürlich achtet auch er auf Pflege,
aber muss man dazu sein rosafarbenes Etui mit zig Pasten, Zahnseide und Bürste
mit in eine Universität schleppen? Ist das nicht zu privat? Detlef nimmt auch nicht
die Nagelschere mit und den Nasenhaartrimmer, um sich auf der Herrentoilette
schick zu machen. Nachdem diese neue Erkenntnis über Hygiene und Pflege gesackt
war, bekam Detlef eine neue Geschichte zu hören. Seine Bekannte aus Brandenburg,
namens Bianca-Mandy Krause, erzählte ihm letztens bei einem leckeren Glas
Mädchentraube, auch genannt: “Schlüpferrutscher”, dass sie doch tatsächlich von
den Disco-Dollys gefragt wurde, woher sie denn ihre Kleidung hätte. Ja, klar. Das
sollte ein Gesprächsthema wert sein, aber gut. Bianca-Mandy macht sich nichts aus
Marken und setzt andere Prioritäten und sagte auch ganz ungeniert, dass sie bei
H&M, Mango und ZARA einkaufen gehen würde. So, so… Aha… Hmmmm… Warst
du also hier einkaufen? Bianca-Mandy war doch recht verwirrt, fragte nach, wieso
sie wissen wolle, wo sie direkt einkaufen war und jetzt kommt der Hammer, die
Pointe, der i-Punkt auf dem i: In Ostdeutschland gibt es doch solche Läden nicht,
oder? Nein, ich habe mir bis dato meine Sachen selbst geklöppelt, dachte sich
Bianca-Mandy Krause, sprach es dann auch einfach aus, weil solche dümmlichen
Fragen nur dümmliche Antworten verdienen.
Und als vor ein paar Tagen ein bekannter Schweizer öffentlich im Fernsehen
verlauten liess, dass bekanntlich das Positive zuletzt stirbt, war neuer Schreibstoff
für Bünzlis Seite ganz flott gefunden, daher bleibt Detlef nur der Abendgruss und die
Bemerkung, dass doch bitte dem hier noch viele weitere Anekdoten folgen, aber
bekanntlich stirbt ja die Hoffnung zuletzt und das lässt noch ein Weilchen auf sich
warten, denn kurze Geschichten bieten sich dem Bünzli quasi täglich.
Liebste Grüsse in die Nacht,
euer Detlef