“Der Gesunde weiss nicht, wie reich er ist.”
Herr Bünzli sieht müde in den Herbsttag hinaus. Der Balkon ist frisch mit Erika und
Astern bepflanzt, der Efeu hängt anstelle der Begonien und Detlef sucht schon nach
dem passenden Wochenende, um seine Winterreifen zu beziehen, denn bekanntlich
ist ja Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Leicht bis mittelschwer verschnupft
schiebt sich Bünzli durch seine kühle Wohnung. Denn, wie der typische Deutsche
nun mal ist, spart er an jeder Ecke und somit wird die Heizung nicht vor dem ersten
tiefen Frost angestellt. Obwohl Detlef inzwischen zitternd und bibbernd mit
kratzenden Wollsocken von Muttern mit kariertem Bademantel in seine alte
Bundeswehrdecke gehüllt vor dem Fernseher sitzt und fröhlich aufschreit, wenn
seine Katze, namens Muschi, denn so heisst schliesslich jede deutsche Katze, sich
um seine eiskalten Füsse kräuselt und sie wärmt.
Detlef hat sich erkältet, nein, Mitleid möchte er nicht, denn was nimmt man nicht
alles auf sich, um den Kollegen nur einmal ein paar Tage die deutsche
Klugschwätzerei zu ersparen- jeder Euphemismus macht das Leben schöner!
Was hat Detlef spätestens durch Bruno Ziauddin gelernt: “Anpassung ist alles.”
*hor…hooor…hoarrrr…hatschi…* und *buuhhh… iiiihhhgs…*
Äxgüsi, noch ein kurzes Schneuzen-
nach dem Nieser in die Ellenbeuge, was man ja laut der anschaulichen Aufkleber
in Bus, Bahn, Bank, ach… glattweg überall so sehen kann. Merci vielmal, lieber
Kantonsrat, denn ohne diese hübschen Aufkleber hätte Bünzli seinem Gegenüber die
ehrenwerte Freude gemacht und ihm mit Schwung in Hülle und Fülle ins Gesicht
gerotzt. Gut, dass dem gemeinem Volk das Denken abgenommen wird, warum
selbst nachdenken, wenn alles so hübsch in Bildern gezeigt, gewiesen und
vorgemacht wird. Aber nur so und nicht anders.
*hust, prust, fiep und pfeif und huuuuuuuuust* und *haaaaatschi*
Sie, sorry. Also zurück zum Thema, wirklich klasse, dass mit so viel Engagement
überall geklebt und bepflastert wird. Wie viel das wohl alles kosten wird?
Egal, das kann niemals zu viel kosten.
Allerdings möchte Detlef nur rasch mit etwas gesundem Menschenverstand darauf
hinweisen, dass momentan Unmengen an Geldern für H1N1 ausgegeben werden
und wem das nichts sagt, sollte schnellstens seine Gesundheit ernster nehmen.
Denn die Schweinegrippe wird höchstwahrscheinlich die Menschheit hinraffen.
Was ist schon AIDS/HIV, Krebs/Tumor oder TBC?
Nein, eine Grippe wird uns alle ins Jenseits befördern. Liebe Freunde vom
Bundesamt für Gesundheit, ist eigentlich allen Weilenden dort bewusst, dass die
WHO-Statistiken über tödliche Krankheiten nicht einmal die Grippe aufführen?
Traurige Bilanz aller aufgelisteten Krankheiten, die tödlich verlaufen, ist nämlich,
dass Herz- und Kreislauf, Tumore, Atemwegserkrankungen, Mutterschaft und
Geburt, sowie Malaria und sämtliche Kinderkrankheiten eine wirkliche, wahre
Bedrohung darstellen und es nahezu peinlich, ja beschämend ist, dass sich in
Ländern, wie der Schweiz wegen einer Grippe beratschlagt wird, um den Notstand
umgehen zu können. Da kann der Bünzli doch nur den Kopf schütteln.
Panik war ja schon immer sehr konstruktiv, nicht wahr?
Es bestürzt den Detlef wirklich sehr, doppelzüngig werden die Leute zur Kasse
gebeten. Meldet man sich nicht rechtzeitig bei einer Krankenkasse in der Schweiz
nach seinem Umzug an, werden Drohungen und Mahnungen verschickt, muss stets
im Gemeindehaus antanzen und sich rechtfertigen, dass man erst in Ruhe Offerten
einholte, um sich dann zu versichern. Wenn schon der sonst kerngesunde Detlef
mehr für seine Krankenkasse bezahlen muss, als er sonst im Monat fast für Essen
und Trinken ausgibt, möchte er doch zumindest wissen, was er für eine Leistung
dafür erhält. Und jetzt wird es richtig lustig. Denn Bünzli erhält gar keine Leistung,
jawohl. Das ganze Geld könnte er ebenso gut zu einem Joint drehen und rauchen,
was er selbstverständlich nicht tun würde. Aber er könnte seiner schicken
Nachbarin wöchentlich ein Alpenveilchen mit Pralinen davon kaufen, wovon er
sicherlich mehr hätte. Nachdem Detlef mit Ach und Krach um eine Strafe gekommen
ist, wird er sich nun hüten zum Arzt zu gehen, zumal er das ja nicht dürfte, da er
nämlich vorher bei einem Call-Center anrufen muss, um dort zu klären, ob er krank
ist. Das Telefonat würde wahrscheinlich wie folgt aussehen:
“Grüezi, hier Bünzli, Detlef Bünzli, ich bin krank.”
“Grüezi, oh jö, was haben Sie denn?”
“Husten, grün, gelb, sehr laut, soll ich vormachen?”
“Nein. Und was noch?”
“Schnupfen, auch grün, gelb. Lässt sich schlecht vormachen. Habe prophylaktisch
zwei Dolormin und ein paar Panadol genommen.”
“Aha. Geht es besser?”
“Nein?! Oder rufe ich an, um soziale Kontakte zu knüpfen?”
“Was fehlt Ihnen noch?”
“Flitzekacke. Grün, braun, sehr dünn- nach zu viel Tabletten. Danach habe ich
drei Tanacomb genommen. Jetzt hab ich Bauchweh. Vermutlich nun Verstopfung.”
“Oh, fein.”
“Kann ich jetzt zum Arzt gehen?”
“Nein, Sie haben nicht das Profil, dass Sie bräuchten. Laut meines Handbuchs vor
mir, sind Sie nicht krank genug, damit ich Sie zum Arzt schicken kann.”
“Fräulein?”
“Ja?”
“Ich habe mir soeben die Schere längs zentimetertief in die Adern meines Unterarms
gerammt, darf ich nun zum Arzt?”
“Wie sieht es denn aus?”
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhh, kreisch und grummel! Hiiiiiilfe!
Wäre es also nicht hilfreicher das Gesundheitssystem brauchbar umzustrukturieren,
als sinnlos Gelder in lustige, völlig überflüssige Aufkleber zu investieren?
Es gibt nicht viel, was Bünzli am deutschen Krankensystem gut fand, aber das
Schweizer System hat Detlef ein paar graue Haare gekostet.
Also liebe Freunde, immer schön in die Ellen husten und niesen, die Tastaturen
und Türklingen in offenen Gebäuden meiden und vor allem schön Vitamine essen
und fleissig die Krankenkassen füllen, damit die Finanzlücken des Staats saniert
werden.
*haaaaaaaaaaatschi* und *huuuuust*
Liebe Grüsse, Detlef Bünzli