Buenzli's Blog

Auf der Suche nach der neuen Heimat

Zucken im Auge… September 23, 2009

Einsortiert unter: Kurze Anekdoten von Herrn Bünzli — Detlef Bünzli @ 8:14 nachmittags
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Zucken im Auge…

Ja, da ist er wieder.

Herr Bünzli musste sich eine kurze Auszeit nehmen. Nein, er ist nicht im Urlaub

gewesen, nein, natürlich war er auch nicht unter Arbeit begraben, denn das sind ja

die Deutschen nie- so zumindest laut der Wirtschaftsbeilage einer bekannten

Schweizer Tageszeitung, wobei Deutschland immerhin im Ranking der attraktivsten

wirtschaftlichen Standorte angestiegen ist- Schmach und Schande und natürlich

etliche Artikel, oder von Detlef bezeichnet als Lückenfüller, wert. Nein, ganz anders,

Detlef Bünzli erlitt schwere Krämpfe, war tagelang ausser Gefecht gesetzt und

konnte weder Hand, noch Fuss bewegen. Anfangs mit einem Kopfschütteln, später

immer mehr mit Tränen, Atemnot und Schmerzen in der Bauchgegend gestraft, was

momentan noch fiesen Muskelkater und ein leichtes Augenzucken zur Folge hat,

richtig, Detlef konnte nicht schreiben, weil er gefesselt, gespannt und voller

Erwartung am und im Buch von Bruno Ziauddin klebte. Am liebsten würde sich

Detlef jede einzelne Seite fein säuberlich, nach Bünzli- Manier, im Bilderrahmen

über die Kakteensammlung hängen, aber dazu ist seine übersichtliche

Blockwohnung zu klein. Liebe deutsche Freunde, lest doch bitte, bitte ”Grüezi

Gummihälse- Warum uns die Deutschen manchmal auf die Nerven gehen”. Ich

preise Bruno Ziauddin, den Meister der Beobachtung, sehr schön.Köstlich hat sich

Detlef amüsiert, wirklich köstlich. Dazu Folgendes vom Guru persönlich:

“Natürlich habe ich für dieses Büchlein mit zahlreichen Menschen gesprochen, mit

Schweizern und, im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung, auch mit ein paar

Deutschen.”

Der Anlass für diese umfangreichen Recherchen ist eine Besorgnis erregende

Entwicklung, die in unserem Land zurzeit für mehr Schlagzeilen sorgt, als der

drohende Einbruch der Konjunktur, der unaufhaltsame Sinkflug der SVP oder die

zahlreichen Unfälle in der Schweizer Armee: Wir Schweizer fühlen uns von den

Deutschen immer stärker bedrängt. Und so hat sich Bruno Ziauddin, Journalist bei

der Weltwoche, aufgemacht, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen und die

Gründe für die progressiv wachsenden Feindseligkeiten sorgfältig aufzuarbeiten.

Er tut dies mit einem reichen Repertoire journalistischer und wissenschaftlicher

Stilmittel: Er identifiziert die sprachlichen Unterschiede (“Wie sagt man furzen auf

Hochdeutsch?”), porträtiert seinen betroffenen Freund Roman (“Er hat in Berlin

einem prominenten germanischen Grossmaul ebendieses gestopft.”) und stellt –

ganz Journalist – seine sehr persönlichen Erlebnisse in den Mittelpunkt: “Ich

entsinne mich noch vage daran, wie ich in einem Konstanzer Lokal, das irgendwie

düsterer war als das, was ich von der Schweiz her kannte, ein Getränk vorgesetzt

bekam, das wie Cola aussah, aber zu meiner Enttäuschung überhaupt nicht wie Cola

schmeckte.” Selbstverständlich fehlt auch die differenzierte Beschreibung der

deutschen Persönlichkeitsstruktur nicht: “Sie kommen in Scharen, sprechen laut

und wissen alles besser.”

Zur Verteidigung des armen Bruno Ziauddin darf immerhin festgehalten werden,

dass er bei weitem nicht der einzige ist, für den die vergangenen Fussball-

Europameisterschaften in der Schweiz und in Österreich sowie die Angst, dass die

Deutschen erfolgreich abschneiden könnten, als umfassendes Marketingkonzept für

ein bestechendes Konsumgut herhalten mussten. Allerdings: Das Turnier ist

mittlerweile Vergangenheit, und trotz Finaleinzug der Deutschen waren in der

Schweiz so gut wie keine Ressentiments spürbar. Viel Wind um nichts also. Oder um

es auf dem sprachlichen Niveau des Büchleins auszudrücken: Schweizerdeutsch

gefurzt. Wobei bei aller Kritik nicht unbedingt zu folgern ist, ein seichtes Blabla

beziehungsweise ein unstrukturiertes Aneinanderreihen von Klischees und

Belanglosigkeiten könne mitunter nicht auch unterhalten. Auf den gut zweihundert

Seiten gibt es durchaus einige Stellen, die einen schmunzeln lassen können. Einige

wenige.

(usw., Quelle darunter folgend:)

http://www.rezensionen.ch/buchbesprechungen/schweizer_deutsche/3499624036.html

Die verschiedenen Beurteilungen und Rezensionen beinhalten von der nichts-

sagenden Mentalitätsstudie, über dreiste und völlig anti- faktische Zustimmungen,

über dusslige Anti- Kommentare und abnormale verbale Entgleisungen, die des

Erwähnens eigentlich nicht wert sein sollten, wirklich alles… Obwohl das bitte

bloss keiner Werbung gleich kommen soll, aber bitte, wer richtig ablachen will und

lange kein Zucken mehr im unteren Augenrand verspürt hat-

los gehts, Gummihälse!

Bünzli selbst ist noch immer am Abwägen anhand seiner Pro-und Kontra- Liste,

welchem Typus der Deutschen er nun entspricht. Er selbst sieht sich

selbstverständlich als der Schwer-in-Ordnung-Deutsche, gehört aber vermutlich und

augenscheinlich den Ruckzuck-Zackzack-Preussen oder dem Perwoll-Deutschen an,

ganz gemeine Mischung. Was will uns der Autor eigentlich damit sagen?

“Geh nach Hause, du alte Scheisse?” oder hat er sich den guten deutschen Spruch

angenommen: “Aus Scheisse Gold machen?” Also verzeihen Sie bitte, wie hätten Sie

es denn nun gern, unangepasst deutsch oder in kuschelweich Ausgabe angepasst

und schnurrend wollig… Wie nun, bitte, Herr Ziauddin?

Noch immer verwirrt, ist Bünzli weiterhin dazu geneigt für das Recht der Deutschen

hier zu kämpfen, der Detlef ist nicht in der Schweiz, um jemanden zu ärgern, keine

Arbeitsstelle bösartig weg zu schnappen oder anderes, sondern die Lücken zu

schliessen, die durch ein nachlässiges politisches und wirtschaftliches System, vor

allem dem Bildungssystem, entstanden sind.

Sehr passend, unpassend dazu, sind die letzten Tage die Wände der Universität

Zürich mit Graffiti verschändelt worden, ein Angriff (auch) auf das Bildungssystem.

Bünzli kann und wird solche Tat nicht gut heissen, aber es spricht dafür, dass nicht

alles Gold ist, was glänzt.

Zum Schluss bleibt Detlef zu sagen, dass ihr immer daran denken möget: “Drei Tage

nicht gelesen, und das Gespräch wird schal.” Lest den Bruno und ihr bekommt gratis

ein paar hilfreiche Tipps als Deutsche in der Schweiz… also nicht ganz gratis, aber

zumindest umsonst.

Ein Grinsen am Abend,

Detlef Bünzli

 

 
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