Buenzli's Blog

Auf der Suche nach der neuen Heimat

So… so… deutsch… das ist also eine Charaktereigenschaft? September 9, 2009

Einsortiert unter: Das tägliche Leben als Bünzli im Heidi-Land — Detlef Bünzli @ 7:26 pm
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So… so… deutsch… das ist also eine Charaktereigenschaft?

Bünzli weiss heute gar nicht so richtig, wie er beginnen soll zu berichten, seltsame

Tage liegen hinter ihm. Die Milch ist inzwischen ein paar Rappen teurer, da

vermutlich selbst die Kühe beim aufkommenden Herbst erste Depressionen

schieben, die eingekauften Eier liess Detlef im Prozedere des Packens an der Kasse

zurück- der Klassiker. Im Zug wie immer das innerliche Kopfschütteln über

sinnloses: „Isch da frei?“ und die Gespräche quer durchs Abteil oder am Natel. Und

noch immer versucht Bünzli das Rätsel zu knacken, warum die Leute, die gerade

zugestiegen sind immer durchlaufen und sich nicht gleich auf die freien Plätze

begeben, nicht erst in der Mitte vom Waggon alles versperren, sich verblüfft

ansehen, um entgegen weiter zu drängeln, sich nach einem „Isch da frei?“ dann

endlich niederlassen, wo sie sich das ganze pöbelnde Geschubse erspart hätten, aber

was sollte sonst Detlef geniessen, wenn nicht das Alltägliche im Zug.

Eigentlich wollte Detlef heute davon berichten, dass es natürlich auch die andere

Seite gibt…

Da bereits so passend das Thema Tram und Zug Programm war, wird nun Bünzli

ganz persönlich von einem gestrigen Erlebnis berichten, dass sich so und nicht

anders zugeeignet hat. Relativ selten und das muss man wirklich der SBB

zugestehen, kommen die Züge verspätet. Ganz ehrlich und ein gewisser Neid

kommt da sicherlich in jedem deutschen Bahnangestellten hoch, aber die Schweizer

Züge sind relativ pünktlich. Relativ ist natürlich hier relativ zu sehen…

Aber wie es so ist, wenn Murpheys Gesetz zuschlägt, dann hat man gerade weder

zeitliche Flexibilität, noch spontane Einfälle, um sich zu retten, daher sitzt man mit

einem Gesicht geballt zur Faust im Zug und wartet, weil wieder einmal einer der

Generation Smirnoff seinen Bass auf den Ohren nicht laut genug haben kann

und nicht die strenge Ansage vom Onkel Zugfahrer hört, dass er doch bitte einen

Meter bei Seite treten möge, um die Türe und so auch alle anderen, schliessen zu

können. Falls manch Jugendlicher noch einen Meter abzuschätzen wisse. Also sass

Bünzli da, wie der Affe auf dem Schleifstein, schon wieder parat, um den Hulk zu

machen. Nach gefühlten zehn, tatsächlichen fünf Minuten ging es weiter. Prima.

Klasse. Wirklich toll. Da Detlef, ganz seiner deutschen Rolle treu, so viel Ahnung

vom aktiven Sport hat, wie ein Meerschwein vom Stabhochsprung, sah er bereits

jetzt seinen Zug, den er dringend erreichen musste, vor seiner Nase abfahren.

Japsend, keuchend, die Lunge zwischen den Kniekehlen, die Hose ebenfalls auf

Toiliettengang eingerichtet, Haare triefend nass und Achseln parat auf

Schweissfleckenalarm. So flitzte unser armer Detlef quer durch von Gleis 18 bis zum

Gleis 52 binnen drei Minuten und wer sich am Hauptbahnhof Zürich auskennt,

weiss, dass das kein Sprint wert sein sollte.

Aber man glaube es kaum, der dicke Deutsche sorgte sicherlich für Gelächter, aber

kam dann doch noch im Zug an. Allerdings war er hoch rot angelaufen und bekam

kaum noch Luft. Eine nette Dame sass neben ihm und sein elendes Gehuste tat ihm

für sie ehrlich leid. Auf einmal passierte es… damit konnte er nicht rechnen.

Die Frau neben ihm reichte ihm eine Packung Ricola entgegen und deutete ihm eins

zu nehmen, damit er nicht mehr einen solchen trockenen Hals habe. Na bitte, es

geht doch, doch noch etwas Leben hier.

Detlef war ehrlich gerührt, das fand der Bünzli klasse, so eine nette Dame. Sie fuhr

gerade ihre Enkel von der Schule abholen, aber sonst wäre sie die restliche Woche

im Garten. Detlef berichtete ihr dann davon, wieso der schlimme Husten ihn so

übermannte und, dass er doch so dringend den Zug erreichen musste und und

und… Eine sehr nette Unterhaltung. Plötzlich meinte die Dame, dass Bünzli ein sehr

schönes Deutsch sprechen würde und wo er her käme. Sie war ganz erstaunt und

berichtete, dass ihre Kinder auch schon in Dresden und in Leipzig waren und eine

Freundin von ihre käme aus Thüringen, wobei sie nicht genau wisse,

wo das wäre. Sie war dem Bünzli sehr sympathisch. So interessiert. So lieb. So

aufgeschlossen. Aber dann kam´s…

Sie sagte, dass sie Italienerin sei. Ahaa!!! Nun war es geschehen, all das Gute, all

das Nette, all das Offene und Freundliche, alles wollte der Bünzli schon und bereits

den anderen Schweizern zuschreiben. Denen, die nicht stetig auf Deutschen rum

hacken, aber da war die grosse Chance dahin und als er abends dann mit Janine-

Jacqueline und ihrem Freund Steve bei einer Stange in der Beiz sass und ihm

folgende Geschichte erzählt wurde, war der Käse wieder rund, der Drops gelutscht,

das Klischee doch wieder passend… Die Janine-Jacqueline und ihr Steve,

heimatlich „Schtief“ gesprochen, stammen aus dem beschaulichen Sachsen, ein

friedliches Völkchen, wenn nicht gerade Lok Leipzig gegen Aue oder Dresden

im Fussball aufeinander trifft. Die Beiden sind mit ihren Kindern, zwei niedlichen

Gören, seit ein paar Jahren hier. Die Mädchen sprechen besser Schweizerdeutsch,

als Deutsch im Mischmasch mit Sächsisch, wobei man nun nicht weiss, ob dies

positiver oder eher negativer Bewertung sei.

Janine-Jacqueline ist eine rührende Mutter, das geborene Muttertier und hat

obendrein noch Spass dabei. Erstaunlich und ganz toll. Super toll. Von Beruf Mutter,

das macht nicht jede mit. Als sie die beiden Zwerge von der Schule abholen wollte,

sass der kleine Ueli vor der Turnhalle, ein kleiner weinender Trauerkloss. Die

Lehrerin hat ihn im wahrsten Sinne des Wortes an die frische Luft gesetzt, um der

Blässe und dem aufkommenden Grün im Gesicht entgegen zu wirken. Der Kleine

schaute sie total verängstigt und mit Tränen überlaufen an, seine Mama und auch

die Oma wären nicht erreichbar und er hatte sich im Sportunterricht so schwer den

Finger geklemmt und gequetscht, dass der halbe Nagel weg und dafür umso mehr

Blut da war. Nachdem sich nun auch mal wieder die Frau Lehrerin dazu bequemte

nach dem Bub zu schauen, sagte Janine-Jacqueline, dass sie schnell ihre Mädchen

holen und dann den weinenden Ueli nach Hause fahren würde, da der Junge eh

schräg gegenüber wohnen würde. Also packte sie des Jungen Sachen, Rucksack,

Sportsachen, usw. schnappte sich den weinenden Fratz, inklusive zweier

angewiderter Prinzessinnen und fuhr heim. Bei Ueli angekommen, konnte der

schon wieder frei atmen und pumpte auch nicht mehr wie ein Maikäfer, der auf dem

Rücken lag… Janine-Jacqueline, ihres Zeichens Übermutter und nach Helga

Beimer, zweite Glugge deutscher Nation, brachte ihn zur Tür, stellte sich der Mama

vor und erzählte grob, was geschehen war.

Oh, aha, ja, sie wisse schon bescheid, denn die Sportlehrerin habe sie erreicht und

sie meinte bereits, dass eine deutsche Frau ihren Sohn heim bringen würde. Ende

der Geschichte. Kein Danke. Kein super toll.

Kein, ach, was auch immer, das sich Janine-Jacqueline erwartet hatte.

Sie stellte gestern, fast tief traurig, fest, dass sie nicht angekündigt wurde, als die

Mama der Beiden süssen Mäuse, die gegenüber wohnen, oder als die Mama, die sich

immer so viel für die Kinder einsetzt, oder als die Mama, die Pyjama-Parties für die

ganze Klasse gibt und sich obendrein noch am Nachmittag mit drei weiteren

Kindern zusammen setzt und denen im Deutschunterricht hilft… Sie wurde nicht

beschrieben, als die Mama mit dem langen blonden Haar, dem noch recht schicken

Aussehen oder als die Mama, die immer so nett bei den Elternabenden ist und

jegliche Arbeit für Grillfeste und anderes übernimmt. Jene Mama, die so

aufgeschlossen und lieb ist und immer ein offenes Ohr für alle Wehwehchen hat.

Neeeeeiiiin, sie wurde beschrieben, als die Deutsche. Die deutsche Frau.

So… so… deutsch. Das ist also eine Charaktereigenschaft, oder?

Das zeichnet sie und all die anderen aus. Schön. Klasse. Super toll. Ohne Worte.

Da musste sogar unser Bünzli tief durch atmen.

Also, besinnt euch an dem ausklingenden Abend auf eure Charaktereigenschaften,

fernab woher ihr stammt und wo ihr lebt, denn nur das Innere zählt.

Einen moralischen Gruss zum Abend,

Detlef Bünzli

 

Carl Hirschmann macht Urlaub in Lybien November 8, 2009

Einsortiert unter: Das tägliche Leben als Bünzli im Heidi-Land — Detlef Bünzli @ 9:57 pm

Carl Hirschmann macht Urlaub in Lybien

Liebe Freunde der sanften Worte, heute ist der Tag after tomorrow und Detlef hat tüchtig aufzuräumen.

Natürlich weiss er, dass der tollste Schweizer aller Schweizer (nach Federer und DJ Bobo) ein grosses

Thema ist, denn selbstverständlich ist der tolle, grossartige und einzig malige Carl Hirschmann der

Inhalt aller Nachrichten schlechthin und wer dafür kein Verständnis aufbringt, ist doof und was weiss

Detlef noch… Ganz klar, wer einen Hirschmann nicht ehrt, ist einen Gaddafi nicht wert!

Und dieser Satz ist so furchterregend, dass Bünzli sich seinen restlichen Tropfen Liebfrauenmilch nur

so runter stürzen muss. Ekelhaft. Wie kann ein Mann mit mehr Brusthaar als Gehirnwindungen derart

aktuell sein, wie kann sich eine Regierung von einem Mann mit mehr Allüren als Diskursen

einschüchtern lassen- es ist dem Spiessbürger vom Lande unklar. Übrigens sollte sich

Bünzli an dieser Stelle „outen“.  Seit Beginn hat er unwissentlich ein Geheimnis mit sich getragen.

Nun wird es widerlich, abartig und schrecklich für alle Leser: Bünzli ist Klassik-Fan! Er hört die

Märchen von Sergei Prokofjew und liebt die Werke von Tschaikowski- eventuell kommt in dem

Moment der uneingestandene Hang zur Heimat dessen Mutter durch, aber er liebt doch ebenso alle

Gedichte von Erich Kästner, Heinz Erhardt und vor allem Butler James von „Dinner for One“… aber er

liebt neben dem alltäglichen Besuch seiner glatt- und glänzend polierten Gartenzwerge doch auch

seine Partnerin. Seine ehemalige Partnerin. Danke, danke für die Dose Mitleid, für den Beutel an

Beileidsbekundungen, danke für die unmessbare Quote an Einfühlungsvermögen.

(P.S. an Ronny: Detlef findet es nicht geil, dass du sie knallen willst- auch wenn es für sie und dich

eine Enttäuschung wäre.)

Ja, die kam doch zu kurz. Ursina Bühler. Der Name war Programm. Vier Jahre lang hat sie

ihm jedes Putztuch für seine Zwerge gereicht. Bünzli hat diese Frau über alle Massen geliebt, aber wie

die Schweizer nun so sind, hat sie ihn oberflächlich und ohne Kampf grundlos abgeschossen. Bünzli

wollte immer sein Privatleben schützen, zu ungern hat er Paperazzi vor seiner Terrasse angetroffen.

Detlef ist sich seines Marktwertes bewusst: er ist ein schicker Mann in der Blüte seines Lebens. Er hat

Geschmack, sieht laut  seiner Kumpels aus dem Verein für das Gedächtnis der ostdeutschen Heimat

nicht so schlecht aus, zumindest nicht wie Sven, der letztens in seinem Erbrochenem liegen blieb,

wäscht sich regelmässig und ist ein nettes Kerlchen, das aufräumt und zumindest ein Spiegelei braten

kann, doch das hat nicht ausgereicht. Bünzli war in einem tiefen Loch. Schwarz war nicht nur die

Nacht, sondern auch der Tag.  Voll Schmerz war nicht nur seine alte, dicke Katze, die inzwischen an

Ursina gewöhnt war, schwarz war auch dessen… Leber und Lunge. Detlef musste sich erst wieder

ins Leben zurück kämpfen. Er war glücklich. Seine Arbeit, sein Zuhause, seine Frau. Von einem auf

den anderen Tag warf sie ihm die Schlüssel an den Kopf: „Schön, dass du da warst, schöner, wenn du

jetzt gehst!“ Und der Bünzli sah der Tiefe der Bierflasche entgegen. Warum und weshalb, das sind

Wörter, die einer schweizer Erörterung nicht wert nicht. Warum auch kämpfen und Gedanken

machen, wenn man den alten Gartenzwerg, der ein, zwei Blessuren von Sturm und Regen hat, genauso

gut austauschen könnte gegen einen neuen, preiswerten aus Polen. Viel Spass mit Pawel aus Polen,

der Handys verkauft und nicht fähig ist bis drei zu denken. Bünzli ist momentan voller Zorn und

Trauer. Selbst Hilde mochte Ursina. Detlefs Mutter, die er nur ungern erwähnte, Brigitte-Sabine Bünzli

mit Namen, schenkte ab und an nach ein, zwei Nordhäuser Doppelkorn ihrer Schwiegertochter in spe

ein klitzekleines Lächeln… mit viel Fantasie. Nun ja, es passt zu deren Charaktereigenschaften. Einen

Menschen abservieren, nach so langer Zeit- während sich Bünzli bis dato mindestens ein Bein und

drei Finger für sie ausgerissen hatte, alles getan, erledigt und immer da war. Doch nun muss Detlef

nach vorn blicken und hofft auf eine bessere Zukunft, was ihm bitte gelingen möge, wobei er zur Zeit

noch nicht weiss wie. Aber eventuell hat der eine oder andere hier die passende Idee für ihn, nur bitte

möge man ihn mit der Idee verschonen sich beim „Swissdate“ zu bewerben, denn eher müsse man ihm

einen Haufen Geld bieten, als das er sich für diesen Kommerz verkaufen würde.

Detlef wünscht euch allen eine gute Nacht da draussen, und dass es euch allen besser gehen möge, als

ihm. Nun wird er noch etwas in der „Blick“ blättern, um den Anschein des Alltäglichen zu wahren.

Hoch lebe Carl Hirschmann und schicke man ihn doch bitte recht passend als Vermittler nach Libyen.

Hoch lebe die Liebe und der Wein, egal wie preiswert die Flasche war. Hoch lebe der Kummer, der die

Menschen zerfetzt und unglücklich werden lässt und hoch lebe der Filmriss, der nach 2 Flaschen

Wein das Leben leichter erscheinen lässt.

Guats Nächtle!

Detlef Bünzli

 

Das Positive stirbt bekanntlich zuletzt! Oktober 14, 2009

Einsortiert unter: Das tägliche Leben als Bünzli im Heidi-Land — Detlef Bünzli @ 8:38 pm
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Das Positive stirbt bekanntlich zuletzt!

Genesen und fröhlich gestimmt, möchte nun Herr Bünzli in Ruhe ein paar Worte am

Abend seiner neuen, besser gesagt, nicht mehr ganz so neuen Wahlheimat widmen.

Detlef ist doch den einen oder anderen Tag an der hiessigen Universität in Zürich

anzutreffen und was ihm dort den Weg kreuzt, ist manche Anekdote wert.

Wer bereits am Zentral entlang kam und sich wunderte, was um kurz vor zehn Uhr

mindestens fünfzig Magersüchtige auf einem Haufen zu suchen haben, der scheint

nicht zu wissen, dass dort die Polybahn abfährt, um die Dollys ins Gehege der

Universität zu treiben. Seit Wochen überlegt sich Bünzli einen peppigen Gag

darüber, aber leider fällt ihm kein lustiger Vergleich ein, weil es einfach derart

grotesk und eine neue Art des absurden Theaters darstellt. Jedoch ist das keine neue

Feststellung, allerdings möchte unser Detlef an dieser Stelle nochmals an deren

Männer appellieren: gebt den Kleiderständern doch bitte was zu essen!

Mancher Morgen ist voll Ekel und Grusel dem Wiederkäuen geweiht, nicht nur deren

Morgen. Das ist visuelle Peinigung, die neue moderne Form der Folter. Dreimal

lieber liesse sich Bünzli minütlich einen Tropfen kalten Wassers auf die Stirn fallen!

Doch was er neulich zu Ohren bekam, war doch noch ein Highlight auf dem bereits

schon zig mal übertroffenen Highlight. Bekam doch Detlef am Rande der Erzählung

mit, dass Dolly 1 zu Dolly 2 sagte, dass sie Zähne putzen gehen müsste. Hmmm,

okay. Zahnarzttermin vielleicht, dachte Bünzli bei sich. Doch später ging ihm ein

Licht auf: böser Hunger-Rachengammel, zu wenig getrunken und dazu noch

mindestens zehn Parisienne und Kaffee schwarz dazu. Nuttenfrühstück, gängiges

Barbie- Ritual. Wieder konnte Bünzli ein neues Geheimnis aufdecken, denn

scheinbar war die hohe Verkaufszahl an Zahnbürsten nicht nur auf ihr

Werkzeugmissbrauch zum täglichen Erbrechen zurück zu führen, sondern auch auf

krankhaftes Putzverhalten mit abgefüllten Wasserflaschen auf einer öffentlichen

Toilette. Das war für den Bünzli wirklich neu, natürlich achtet auch er auf Pflege,

aber muss man dazu sein rosafarbenes Etui mit zig Pasten, Zahnseide und Bürste

mit in eine Universität schleppen? Ist das nicht zu privat? Detlef nimmt auch nicht

die Nagelschere mit und den Nasenhaartrimmer, um sich auf der Herrentoilette

schick zu machen. Nachdem diese neue Erkenntnis über Hygiene und Pflege gesackt

war, bekam Detlef eine neue Geschichte zu hören. Seine Bekannte aus Brandenburg,

namens Bianca-Mandy Krause, erzählte ihm letztens bei einem leckeren Glas

Mädchentraube, auch genannt: „Schlüpferrutscher“, dass sie doch tatsächlich von

den Disco-Dollys gefragt wurde, woher sie denn ihre Kleidung hätte. Ja, klar. Das

sollte ein Gesprächsthema wert sein, aber gut. Bianca-Mandy macht sich nichts aus

Marken und setzt andere Prioritäten und sagte auch ganz ungeniert, dass sie bei

H&M, Mango und ZARA einkaufen gehen würde. So, so… Aha… Hmmmm… Warst

du also hier einkaufen? Bianca-Mandy war doch recht verwirrt, fragte nach, wieso

sie wissen wolle, wo sie direkt einkaufen war und jetzt kommt der Hammer, die

Pointe, der i-Punkt auf dem i: In Ostdeutschland gibt es doch solche Läden nicht,

oder? Nein, ich habe mir bis dato meine Sachen selbst geklöppelt, dachte sich

Bianca-Mandy Krause, sprach es dann auch einfach aus, weil solche dümmlichen

Fragen nur dümmliche Antworten verdienen.

Und als vor ein paar Tagen ein bekannter Schweizer öffentlich im Fernsehen

verlauten liess, dass bekanntlich das Positive zuletzt stirbt, war neuer Schreibstoff

für Bünzlis Seite ganz flott gefunden, daher bleibt Detlef nur der Abendgruss und die

Bemerkung, dass doch bitte dem hier noch viele weitere Anekdoten folgen, aber

bekanntlich stirbt ja die Hoffnung zuletzt und das lässt noch ein Weilchen auf sich

warten, denn kurze Geschichten bieten sich dem Bünzli quasi täglich.

Liebste Grüsse in die Nacht,

euer Detlef

 

„Der Gesunde weiss nicht, wie reich er ist.“ Oktober 5, 2009

„Der Gesunde weiss nicht, wie reich er ist.“

Herr Bünzli sieht müde in den Herbsttag hinaus. Der Balkon ist frisch mit Erika und

Astern bepflanzt, der Efeu hängt anstelle der Begonien und Detlef sucht schon nach

dem passenden Wochenende, um seine Winterreifen zu beziehen, denn bekanntlich

ist ja Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Leicht bis mittelschwer verschnupft

schiebt sich Bünzli durch seine kühle Wohnung. Denn, wie der typische Deutsche

nun mal ist, spart er an jeder Ecke und somit wird die Heizung nicht vor dem ersten

tiefen Frost angestellt. Obwohl Detlef inzwischen zitternd und bibbernd mit

kratzenden Wollsocken von Muttern mit kariertem Bademantel in seine alte

Bundeswehrdecke gehüllt vor dem Fernseher sitzt und fröhlich aufschreit, wenn

seine Katze, namens Muschi, denn so heisst schliesslich jede deutsche Katze, sich

um seine eiskalten Füsse kräuselt und sie wärmt.

Detlef hat sich erkältet, nein, Mitleid möchte er nicht, denn was nimmt man nicht

alles auf sich, um den Kollegen nur einmal ein paar Tage die deutsche

Klugschwätzerei zu ersparen- jeder Euphemismus macht das Leben schöner!

Was hat Detlef spätestens durch Bruno Ziauddin gelernt: „Anpassung ist alles.“

*hor…hooor…hoarrrr…hatschi…* und *buuhhh… iiiihhhgs…*

Äxgüsi, noch ein kurzes Schneuzen-

nach dem Nieser  in die Ellenbeuge, was man ja laut der anschaulichen Aufkleber

in Bus, Bahn, Bank, ach… glattweg überall so sehen kann. Merci vielmal, lieber

Kantonsrat, denn ohne diese hübschen Aufkleber hätte Bünzli seinem Gegenüber die

ehrenwerte Freude gemacht und ihm mit Schwung in Hülle und Fülle ins Gesicht

gerotzt. Gut, dass dem gemeinem Volk das Denken abgenommen wird, warum

selbst nachdenken, wenn alles so hübsch in Bildern gezeigt, gewiesen und

vorgemacht wird. Aber nur so und nicht anders.

*hust, prust, fiep und pfeif und huuuuuuuuust* und *haaaaatschi*

Sie, sorry. Also zurück zum Thema, wirklich klasse, dass mit so viel Engagement

überall geklebt und bepflastert wird. Wie viel das wohl alles kosten wird?

Egal, das kann niemals zu viel kosten.

Allerdings möchte Detlef nur rasch mit etwas gesundem Menschenverstand darauf

hinweisen, dass momentan Unmengen an Geldern für H1N1 ausgegeben werden

und wem das nichts sagt, sollte schnellstens seine Gesundheit ernster nehmen.

Denn die Schweinegrippe wird höchstwahrscheinlich die Menschheit hinraffen.

Was ist schon AIDS/HIV, Krebs/Tumor oder TBC?

Nein, eine Grippe wird uns alle ins Jenseits befördern. Liebe Freunde vom

Bundesamt für Gesundheit, ist eigentlich allen Weilenden dort bewusst, dass die

WHO-Statistiken über tödliche Krankheiten nicht einmal die Grippe aufführen?

Traurige Bilanz aller aufgelisteten Krankheiten, die tödlich verlaufen, ist nämlich,

dass Herz- und Kreislauf, Tumore, Atemwegserkrankungen, Mutterschaft und

Geburt, sowie Malaria und sämtliche Kinderkrankheiten eine wirkliche, wahre

Bedrohung darstellen und es nahezu peinlich, ja beschämend ist, dass sich in

Ländern, wie der Schweiz wegen einer Grippe beratschlagt wird, um den Notstand

umgehen zu können. Da kann der Bünzli doch nur den Kopf schütteln.

Panik war ja schon immer sehr konstruktiv, nicht wahr?

Es bestürzt den Detlef wirklich sehr, doppelzüngig werden die Leute zur Kasse

gebeten. Meldet man sich nicht rechtzeitig bei einer Krankenkasse in der Schweiz

nach seinem Umzug an, werden Drohungen und Mahnungen verschickt, muss stets

im Gemeindehaus antanzen und sich rechtfertigen, dass man erst in Ruhe Offerten

einholte, um sich dann zu versichern. Wenn schon der sonst kerngesunde Detlef

mehr für seine Krankenkasse bezahlen muss, als er sonst im Monat fast für Essen

und Trinken ausgibt, möchte er doch zumindest wissen, was er für eine Leistung

dafür erhält. Und jetzt wird es richtig lustig. Denn Bünzli erhält gar keine Leistung,

jawohl. Das ganze Geld könnte er ebenso gut zu einem Joint drehen und rauchen,

was er selbstverständlich nicht tun würde. Aber er könnte seiner schicken

Nachbarin wöchentlich ein Alpenveilchen mit Pralinen davon kaufen, wovon er

sicherlich mehr hätte. Nachdem Detlef mit Ach und Krach um eine Strafe gekommen

ist, wird er sich nun hüten zum Arzt zu gehen, zumal er das ja nicht dürfte, da er

nämlich vorher bei einem Call-Center anrufen muss, um dort zu klären, ob er krank

ist. Das Telefonat würde wahrscheinlich wie folgt aussehen:

„Grüezi, hier Bünzli, Detlef Bünzli, ich bin krank.“

„Grüezi, oh jö, was haben Sie denn?“

„Husten, grün, gelb, sehr laut, soll ich vormachen?“

„Nein. Und was noch?“

„Schnupfen, auch grün, gelb. Lässt sich schlecht vormachen. Habe prophylaktisch

zwei Dolormin und ein paar Panadol genommen.“

„Aha. Geht es besser?“

„Nein?! Oder rufe ich an, um soziale Kontakte zu knüpfen?“

„Was fehlt Ihnen noch?“

„Flitzekacke. Grün, braun, sehr dünn- nach zu viel Tabletten. Danach habe ich

drei Tanacomb genommen. Jetzt hab ich Bauchweh. Vermutlich nun Verstopfung.“

„Oh, fein.“

„Kann ich jetzt zum Arzt gehen?“

„Nein, Sie haben nicht das Profil, dass Sie bräuchten. Laut meines Handbuchs vor

mir, sind Sie nicht krank genug, damit ich Sie zum Arzt schicken kann.“

„Fräulein?“

„Ja?“

„Ich habe mir soeben die Schere längs zentimetertief in die Adern meines Unterarms

gerammt, darf ich nun zum Arzt?“

„Wie sieht es denn aus?“

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhh, kreisch und grummel! Hiiiiiilfe!

Wäre es also nicht hilfreicher das Gesundheitssystem brauchbar umzustrukturieren,

als sinnlos Gelder in lustige, völlig überflüssige Aufkleber zu investieren?

Es gibt nicht viel, was Bünzli am deutschen Krankensystem gut fand, aber das

Schweizer System hat Detlef ein paar graue Haare gekostet.

Also liebe Freunde, immer schön in die Ellen husten und niesen, die Tastaturen

und Türklingen in offenen Gebäuden meiden und vor allem schön Vitamine essen

und fleissig die Krankenkassen füllen, damit die Finanzlücken des Staats saniert

werden.

*haaaaaaaaaaatschi* und *huuuuust*

Liebe Grüsse, Detlef Bünzli

 

Zucken im Auge… September 23, 2009

Einsortiert unter: Kurze Anekdoten von Herrn Bünzli — Detlef Bünzli @ 8:14 pm
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Zucken im Auge…

Ja, da ist er wieder.

Herr Bünzli musste sich eine kurze Auszeit nehmen. Nein, er ist nicht im Urlaub

gewesen, nein, natürlich war er auch nicht unter Arbeit begraben, denn das sind ja

die Deutschen nie- so zumindest laut der Wirtschaftsbeilage einer bekannten

Schweizer Tageszeitung, wobei Deutschland immerhin im Ranking der attraktivsten

wirtschaftlichen Standorte angestiegen ist- Schmach und Schande und natürlich

etliche Artikel, oder von Detlef bezeichnet als Lückenfüller, wert. Nein, ganz anders,

Detlef Bünzli erlitt schwere Krämpfe, war tagelang ausser Gefecht gesetzt und

konnte weder Hand, noch Fuss bewegen. Anfangs mit einem Kopfschütteln, später

immer mehr mit Tränen, Atemnot und Schmerzen in der Bauchgegend gestraft, was

momentan noch fiesen Muskelkater und ein leichtes Augenzucken zur Folge hat,

richtig, Detlef konnte nicht schreiben, weil er gefesselt, gespannt und voller

Erwartung am und im Buch von Bruno Ziauddin klebte. Am liebsten würde sich

Detlef jede einzelne Seite fein säuberlich, nach Bünzli- Manier, im Bilderrahmen

über die Kakteensammlung hängen, aber dazu ist seine übersichtliche

Blockwohnung zu klein. Liebe deutsche Freunde, lest doch bitte, bitte “Grüezi

Gummihälse- Warum uns die Deutschen manchmal auf die Nerven gehen“. Ich

preise Bruno Ziauddin, den Meister der Beobachtung, sehr schön.Köstlich hat sich

Detlef amüsiert, wirklich köstlich. Dazu Folgendes vom Guru persönlich:

„Natürlich habe ich für dieses Büchlein mit zahlreichen Menschen gesprochen, mit

Schweizern und, im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung, auch mit ein paar

Deutschen.“

Der Anlass für diese umfangreichen Recherchen ist eine Besorgnis erregende

Entwicklung, die in unserem Land zurzeit für mehr Schlagzeilen sorgt, als der

drohende Einbruch der Konjunktur, der unaufhaltsame Sinkflug der SVP oder die

zahlreichen Unfälle in der Schweizer Armee: Wir Schweizer fühlen uns von den

Deutschen immer stärker bedrängt. Und so hat sich Bruno Ziauddin, Journalist bei

der Weltwoche, aufgemacht, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen und die

Gründe für die progressiv wachsenden Feindseligkeiten sorgfältig aufzuarbeiten.

Er tut dies mit einem reichen Repertoire journalistischer und wissenschaftlicher

Stilmittel: Er identifiziert die sprachlichen Unterschiede („Wie sagt man furzen auf

Hochdeutsch?“), porträtiert seinen betroffenen Freund Roman („Er hat in Berlin

einem prominenten germanischen Grossmaul ebendieses gestopft.“) und stellt –

ganz Journalist – seine sehr persönlichen Erlebnisse in den Mittelpunkt: „Ich

entsinne mich noch vage daran, wie ich in einem Konstanzer Lokal, das irgendwie

düsterer war als das, was ich von der Schweiz her kannte, ein Getränk vorgesetzt

bekam, das wie Cola aussah, aber zu meiner Enttäuschung überhaupt nicht wie Cola

schmeckte.“ Selbstverständlich fehlt auch die differenzierte Beschreibung der

deutschen Persönlichkeitsstruktur nicht: „Sie kommen in Scharen, sprechen laut

und wissen alles besser.“

Zur Verteidigung des armen Bruno Ziauddin darf immerhin festgehalten werden,

dass er bei weitem nicht der einzige ist, für den die vergangenen Fussball-

Europameisterschaften in der Schweiz und in Österreich sowie die Angst, dass die

Deutschen erfolgreich abschneiden könnten, als umfassendes Marketingkonzept für

ein bestechendes Konsumgut herhalten mussten. Allerdings: Das Turnier ist

mittlerweile Vergangenheit, und trotz Finaleinzug der Deutschen waren in der

Schweiz so gut wie keine Ressentiments spürbar. Viel Wind um nichts also. Oder um

es auf dem sprachlichen Niveau des Büchleins auszudrücken: Schweizerdeutsch

gefurzt. Wobei bei aller Kritik nicht unbedingt zu folgern ist, ein seichtes Blabla

beziehungsweise ein unstrukturiertes Aneinanderreihen von Klischees und

Belanglosigkeiten könne mitunter nicht auch unterhalten. Auf den gut zweihundert

Seiten gibt es durchaus einige Stellen, die einen schmunzeln lassen können. Einige

wenige.

(usw., Quelle darunter folgend:)

http://www.rezensionen.ch/buchbesprechungen/schweizer_deutsche/3499624036.html

Die verschiedenen Beurteilungen und Rezensionen beinhalten von der nichts-

sagenden Mentalitätsstudie, über dreiste und völlig anti- faktische Zustimmungen,

über dusslige Anti- Kommentare und abnormale verbale Entgleisungen, die des

Erwähnens eigentlich nicht wert sein sollten, wirklich alles… Obwohl das bitte

bloss keiner Werbung gleich kommen soll, aber bitte, wer richtig ablachen will und

lange kein Zucken mehr im unteren Augenrand verspürt hat-

los gehts, Gummihälse!

Bünzli selbst ist noch immer am Abwägen anhand seiner Pro-und Kontra- Liste,

welchem Typus der Deutschen er nun entspricht. Er selbst sieht sich

selbstverständlich als der Schwer-in-Ordnung-Deutsche, gehört aber vermutlich und

augenscheinlich den Ruckzuck-Zackzack-Preussen oder dem Perwoll-Deutschen an,

ganz gemeine Mischung. Was will uns der Autor eigentlich damit sagen?

„Geh nach Hause, du alte Scheisse?“ oder hat er sich den guten deutschen Spruch

angenommen: „Aus Scheisse Gold machen?“ Also verzeihen Sie bitte, wie hätten Sie

es denn nun gern, unangepasst deutsch oder in kuschelweich Ausgabe angepasst

und schnurrend wollig… Wie nun, bitte, Herr Ziauddin?

Noch immer verwirrt, ist Bünzli weiterhin dazu geneigt für das Recht der Deutschen

hier zu kämpfen, der Detlef ist nicht in der Schweiz, um jemanden zu ärgern, keine

Arbeitsstelle bösartig weg zu schnappen oder anderes, sondern die Lücken zu

schliessen, die durch ein nachlässiges politisches und wirtschaftliches System, vor

allem dem Bildungssystem, entstanden sind.

Sehr passend, unpassend dazu, sind die letzten Tage die Wände der Universität

Zürich mit Graffiti verschändelt worden, ein Angriff (auch) auf das Bildungssystem.

Bünzli kann und wird solche Tat nicht gut heissen, aber es spricht dafür, dass nicht

alles Gold ist, was glänzt.

Zum Schluss bleibt Detlef zu sagen, dass ihr immer daran denken möget: „Drei Tage

nicht gelesen, und das Gespräch wird schal.“ Lest den Bruno und ihr bekommt gratis

ein paar hilfreiche Tipps als Deutsche in der Schweiz… also nicht ganz gratis, aber

zumindest umsonst.

Ein Grinsen am Abend,

Detlef Bünzli

 

Und täglich grüsst das „Schweizertier“ September 14, 2009

Und täglich grüsst das „Schweizertier“

Bünzli hatte ein schönes Wochenende, die Sonne schien, den Balkon frisch mit

Herbstblumen verziert, den Rasen gemäht, Gartenzwerge poliert, Sonderangebote im

Lidl erstanden und die neue karierte Bettwäsche aus dem Dänischen Bettenlager

bezogen. Nur so ist es das wahre Leben eines deutschen Bünzlis. Wie es sich gehört.

Am Samstag war Detlef zum Geburtstag mit anschliessendem Grillieren geladen,

obwohl er ja inzwischen bei dem Wort grillieren schon leicht nervöses Augenzucken

bekommt und die Hände schweissig nass sind, geht er dennoch mit Freude und

einer kleinen Aufmerksamkeit zum Geburtstagskind. Detlef wird sich wohl nie daran

gewöhnen, dass man zum Geburtstag, sei denn es sei ein Runder, weder etwas

schenkt, noch vorher Einladungen ausgesprochen werden, sondern nur so dahin

gewurschtelte „Kommt einfach vorbei“ oder „Kohle ist ab sechs parat, Cervela ist da“.

Was sollte das denn, entweder man feiert richtig oder man lässt es bleiben, aber das

schien deutlich des Bünzlis Horizont zu übersteigen. Da kam der Spiesser durch.

Der Abend war wirklich gelungen, gut, vom Weisswein im Zürcher Unterland

müssen wir keine Degustationen anpreisen, ebenso machts die Mädchentraube aus

dem ALDI. Nach zwei Flaschen schmeckt nämlich auch der ohne Einwand.

Nachdem sich Bünzli eine Basis aus Salat und fettiger Brühwurst geschaffen hatte,

ging es ans Eingemachte. Da nicht jeder so vernünftig wie er war, hatte der oder

auch die bereits einen schnell zu viel in der Krone.

Natürlich, das hat Detlef bereits erklärt, denn die Schweizerin im Allgemeinen hat

natürlich den Wein in den leeren Magen geschüttet, der nun kräftig gegen die Pillen

des Appetitzüglers arbeitet.

Wie in Deutschland haben nach einigem Blabla auch hier die misslichen Themen

bald Platz am Tisch genommen. Sport und Politik. Ach Freunde, bitte doch, nein,

nicht, nöd, nei… stöhn und Augenleier. Sehen wir der Wahrheit ins Gesicht, was

verbindet man denn mit der Schweiz für Sportarten? Richtig, Wintersport- allgemein

betrachtet. Skifahren, Eiskunstlauf, Rodeln. Die besten Zeiten sind da allerdings

vorbei. Wahre Fans sind sie, wenn es um Eishockey geht, da wird über jedes neue

Logo, über jeden Transfer, über jeden Stockschlag stundenlang diskutiert. Und

wenn es nicht um Hockey geht, dann um Tennis. Natürlich darf das Thema

nirgends fehlen, King Roger. Der heimliche Anführer der Schweiz. Mit Mirka, der

First Lady des Landes. Ja, toll, er spielt Tennis und das auch erfolgreich, und?

Die Welt dreht sich auch weiter, wenn er das nicht tun würde. Seufz. Zum

„Tasmanischen Teufel“ könnte Bünzli werden, wenn es um den Radsport geht.

Der Deutsche, der das noch nicht live mit erlebt hat, ist fern jeglicher Vorstellung,

was hier auf den Strassen los ist. Manchmal möchte Bünzli vor Wut den

Lenker umreissen und Bowling, mal anders, spielen. Direkt rein in die Meute.

Nicht weniger als zu Fünft fahren sie meistens labernd und Suizid gefährdet durch

die Gegend, natürlich mindestens zwei nebeneinander und wer denkt, dass diese

Verrückten Platz machen und sich in ihre Reihe einfädeln, wenn ein Auto kommt,

der hat sich mächtig geschnitten, das machen sie nämlich nicht. Natürlich ist sich

Detlef bewusst, dass er nicht hupen dürfte, sicher, schimpfen und Arschloch-Finger

auch nicht, aber die dürften sicherlich auch nicht so durch die Gegend gondeln.

Selbstverständlich werden dann auf den Geburtstagsfeiern und anderen Treffen die

Fotos gezeigt, fehlt nur im Hintergrund die Titel „Born to be wild“ und „We are the

Champions“, denn wie die Wilden jagen sie Kurven und Berge runter, da hat der

Bünzli keine andere Chance als hinterher zu tuckern, um nicht noch den Käse auf

der Motorhaube kleben zu haben. Mit Jubel und Getöns wird jede Bergauffahrt

frenetisch gefeiert, aber Freunde, wäre es eventuell möglich, dass nicht mitten auf

der Strasse zu tun? Höchst wunderlich, dass nicht jedes Wochenende eine

Unfallmeldung in den Medien ist, wobei noch zu klären wäre, ob das nicht der Fall

ist und nur niemand mehr Aufhebens darum macht. Aber wenn der Bünzli sich

schon aufregt, dann gleich auch weiter über den Schweizer Fussball. Gut, unser

Ottmar ist quasi Schweizer, aber Jungs, Freunde, mal locker durch die

Trainingshose atmen, wann hat denn die Nationalmannschaft der Schweiz das

letzte Mal was gerissen? Nicht, dass Bünzli nun ungerecht werden möchte, aber

dafür, dass ewig kein Finale mehr erreicht wurde, haben sie reichlich einen grossen

Mund. Und Schuld an der Niederlage haben eh die anderen oder der Schiedsrichter.

Mit ihren Ganzkörperflaggen, zig anderen Flaggen an Arm und Bein und aufgemalt

im Gesicht samt Hut oder Basecap rennen sie, wie die angestochenen Affen, Stunden

vorher los, um das Spektakel zu frönen. Aber was ist das denn? Schreien die doch da

etwa nicht immer, nach dem Part mit „Hopp Schwiiz“ laut und deutlich „Schwiizer

Nazi“? Häää? Stirnrunzel. Also Bünzli möchte nun nicht erörtern, was passieren

würde, wenn das offen die Deutschen rufen würden, aber lassen wir das.

Tatsächlich rufen sie natürlich geschrieben gesprochen „Schwiizer Nati“, aber es

klingt eben doch anders, ohne das nochmals hinaus zu posaunen.

Und ganz ehrlich, in Bünzlis Natur liegt es nicht sonderlich schadenfroh zu sein, sei

denn ein brüllendes Kind fällt voll auf die Zwölf, um dann noch lauter zu brüllen,

aber da des Schweizers Motto lautet: Egal wer gewinnt, Hauptsache nicht die

Deutschen, kringelt sich Bünzli innerlich vor Lachen auf dem Boden, wenn wieder

einmal auf schweizer Rasen nur Unsinn gespielt wird. Oh natürlich, ja ja,

Anpassung ist alles, selbstverständlich jammert Detlef laut Beleidsbekundungen und

schimpft mit über den unfähigen Schieri… pfff… denkste. Zur Euro 2008 lief Bünzli

stolz mit Flagge und im National-Shirt durch Züris Strassen und war mit

geschwellter Brust durch und durch am jubeln für die deutsche Mannschaft!

Richtig so, warum soll Bünzli seine Wurzeln leugnen, wenn schon so über die

Deutschen geurteilt wird und jegliche dämliche Klischees bestehen, möchte doch

Detlef wenigstens ein paar davon auch ausleben dürfen. Nachdem an dem Abend

das Thema Sport erledigt war, ging es über zur Politik, von Mörgeli zur Widmer-

Schlumpfine, alle waren sie da. Und natürlich, täglich grüsst das Murmeltier, kam

es wieder zur Sprache, endlich, Bünzli hatte schon hippelig darauf gewartet, es ging

um seine Heimat. Jaaaaaaa, wir wissen es, die Deutschen und ganz besonders die

aus Dunkeldeutschland sind alle totaaaaaaaaal doof. Die können das c nicht nach

dem b und man muss ihnen laufen beibringen. Ja, ja. Zur Abwechslung mal was

Neues parat?

Daher schnappte sich Detlef sein Weinglas, liess ein „Ich han leer“ ab und erduldete

eins ums andere manch abgedroschenen Stuss. Nur dem Wein und seiner sozialen

Ader war es zu verdanken, dass Bünzli höflich schwieg, was er bekannterweise dann

immer tat. Doch als Regula Bühler-Ambach raus haute, dass doch allen bekannt sei,

dass nicht alles in der DDR schlecht gewesen sei und dass das Negative immer so

theatralisch dargestellt würde und das Leben dort sicherlich schön war, da war es zu

viel des Guten. Diese dusslige Kuh, noch nie einen Meter über die ehemalige

innerdeutsche Grenze gesetzt, aber gross Sprüche klopfen. Bünzli wies sie dann auf

die Stasi hin oder auf die Planwirtschaft, die Ausreiseeinschränkungen und andere

kleine Lappalien am Rande, aber bloss nicht theatralisch werden. Nun gut, da war

es also wieder, täglich grüsst das „Schweizertier“. Keine Ahnung haben, aber

souverän dummes Zeug raus hauen. Was bleibt dem Bünzli zum Schluss als Grusse:

erst denken, dann reden!

Einen schönen und ruhigen Wochenstart wünscht

Detlef Bünzli

 

Als die Heidi noch um die Alm hüpfte… September 12, 2009

Als die Heidi noch die um Alm hüpfte…

Ein ganz normaler Freitagabend… Und Bünzli hatte Ausgang.

Bünzli war die ganze Woche über sehr fleissig, hatte mehr als seine erforderliche

Stundenanzahl geschafft, war pünktlich zum Donnerstagabend einkaufen, denn

sein Biervorrat war die letzten Tage enorm geschrumpft. Seine neuen Freunde aus

der Schweiz kamen gern vorbei, um das eine oder andere Bier zu geniessen. Auf

seine Kosten. Und da das üblich ist, nichts mitzubringen, wenn man zu Besuch ist,

freute sich also Detlef über neue Bekanntschaften, ohne Mitbringsel, die bei ihm Fussball

schauten, weil er sich breit schlagen lassen hat und Anpassung ist schliesslich alles.

Zum Dank durfte der Bünzli am Freitag mit auf den Ausgang. Wie er bereits erörtert

hat, kommen ihm fiese Assoziationen auf, wenn jedes mal der Schweizer berichtet,

dass er im Ausgang war. So, du bist also im offenen Vollzug, grinste Detlef bei sich,

wenn ihm diese Abart an grammatischem und etymologischem Auswurf begegnete.

Detlef hatte sich wieder fein raus geputzt: mit seinen braunen Mokassins, den

besonders schönen Bommelchen darauf, sein schickes Hemd aus Flanell und seine

Lieblingshose, obwohl schon mit Abschürfungen im Cord, aber noch immer schick,

die Haare frisiert und gegelt, oder wie der Schweizer spricht mit „Scheel“ gestylt…

Er sah heute sehr gut aus, besonders knackig zu betrachten, denn die schnellen

Liegestütze im Bad und das regelmässige Treppensteigen förderte so langsam seinen

Tribut: Bauchumfang kleine, Po fester und die Oberarme musste er nicht weiter

stählen, denn als typischer Deutscher, der kontinuierlich den Vorgarten jätete und

umgrub, hatte er den einen oder anderen Muskelansatz für sich verbucht.

Das war auch nötig, um bei den Schweizerinnen landen zu können. Man muss

ehrlich zugeben, dass die Masse der Frauen im Käseland prächtig gedeiht.

Mag am Käse liegen, an der frischen Luft oder vielleicht doch an der völlig

übertriebenen, oberflächlichen Lebensart- man weiss es nicht.

Die allgemeine Schweizer Frau ist mega schick, wie eben frisch aus der Pelle

geschlüpft, geleckt und übermässig zurecht gemacht, dass jede andere Frau nur

neben ihr erblassen kann. Und diese Blässe ist nicht verwunderlich, da die Frau aus

der Schweiz nur ein Hobby pflegt: hungern! Als hätten sie die Anorexia erfunden,

wackeln sie klapperdürr auf ihren Schühchen zitternd durch die Gegend.

Und wer nun denkt, dass Detlef übertreibt, der ist noch nie mit offenen Augen durch

Zürichs Innenstadt gelaufen. Absolut abschreckend, ein Horror für jede Frau mit

gesunder Lebenseinstellung, also mit Brust und Po, neben all den Kleiderständern,

die fahl und mies gelaunt mit knurrendem Magen ihr Defizit mit Zickigkeit und

Zigarettenkonsum kompensieren. Natürlich sehen Frauen, die etwas aus sich

machen, immer schick aus, aber lieber hätte Bünzli eine verzottelte, mit

Achselhaar in Natura und abgetragenen Jeans mit Pulli verlotterte Punkerin,

die weiss, was sie spricht und nicht nur Luft im Oberstübchen hat, als diese

aufgeblasenen Weiber, die kein anderes Thema kennen als Maniküre, Pediküre und

die Sonderangebote bei Zara oder Jelmoli auswerten. Grässlich!

Wo sind all die Streberinnen, die noch Bücher lesen und sich mit Politik und

dem Wichtigen im Leben beschäftigen, wo zum Teufel?

Richtig, die findet man nur im Untergrund, denn die sind komplett abseits und

unbeachtet und bekommen von den Königinnen der Nacht nur abwertende Blicke.

Obwohl es doch sie sein sollten, die man mitleidig anschauen sollte, aber solange

die sich gegenseitig beweihräuchern und noch immer von Männern die Bestätigung

bekommen, denen die schicke Frau als Status quo reicht, da sie ja nichts im Kopf

haben muss- bei ihrer Schönheit, wird es immer solche Frauen geben.

Und geht man dann also in einen Club, eine Bar oder Kneipe, trifft man diese

abgemagerten Wracks im Haufen an, wie sie bissig und schnippisch einander

beäugen, sich lächerlich machen mit ihren Diskussionen über Luis Vuittons-

Taschen und ihren viel zu engen Jeans in Grösse Zero. Erbärmlich.

Das bleibt Bünzli oft nur ein Kopfschütteln. So toll diese Frauen auch aussehen

mögen, ist es doch kaum möglich ein vernünftiges Wort mit ihnen zu wechseln.

Prinzessin Rühr-mich-nicht-an, neben Komtess Schau-mir-nix-ab und ihrer guten

Freundin Gräfin von und zu Wag-es-nicht-mich-anzusprechen, sie alle lassen sich

sehr gern Drinks ausgeben, angeln sich die Männer nach Grösse des Geldbeutels

und finden es so ziemlich normal ihr Leben damit zu vergeuden die oberen

Zehntausend nach zu äffen. Detlef stellt lieber gepflegt ein paar Bierchen in die Ecke,

schaut sich das krankhafte Gehabe an, um dann abends im Bett darüber zu

sinnieren, ob es an seiner Einstellung hapere oder ob hier irgendwie doch nicht ein

Fehler im System des Lebens herrscht, wenn das die Elite, die Frauenelite der

Schweiz sein soll. Ohha, na dann, was ist nur aus der guten alten Heidi geworden,

die gesund und munter über die Almwiesen hüpfte, rannte, trällerte und noch

fröhlich mit der Welt lachte, über hundert Jahre später würde jetzt Heidi Nagellack

tragen, einen Mini, der auch als Gürtel durchgehen könnte, eine absolut hässliche

glänzende Leggins darunter, mit Schmuck behängt wie eine Jubelstaude zu

Weihnachten, mit einem Top in Tigerlook, dass in Grösse 34 bis 36 sicherlich

ansehnlicher gewesen wäre und dazu, sehr  unvorteilhaft für jede Alm, High-Heels

12cm-Absatz in Lack. Aber warum aufregen oder beschweren, das passt doch alles

ins Bild, das Detlef schon seit geraumer Zeit gewonnen hat:

Oberflächlichkeit an allen Fronten, warum hier also ausweichen.

Also die Damen, kurze Anleitung, um dazu gehören zu können: Logik, Verstand und

alles Wissen ausblenden, dümmlich kichern, der neuesten Mode folgen, die

„in Touch“ kaufen, eine übergrosse Luis Vuittons- Tasche total lässig in der

Armbeuge tragen und vor allem und das aller, aller wichtigste: nichts essen.

Dann bleibt mir nur diesen armen Opfern der Gesellschaft einen guten Hunger

zu wünschen und die liebsten Grüsse aus der wartenden Betty Ford Klinik, was

nämlich meist einher geht mit dem Sitten- und Moralverfall der Generation

Natürlich-passe-ich-in-Grösse-32!

Kopfschüttelnde Grüsse,

Detlef Bünzli

 

Was gibt warm? September 7, 2009

Was gibt warm?

Schweizer Hochdeutsch im Visier

Gegen Bünzlis engstirnige und begrenzte Natur und um dessen geistigen Horizont

wider Erwartens zu erweitern, wiederum  seiner Spiesser-Manier zu  verfallen,

bereitete Detlef sich einst auf seinen Umzug in die neue Heimat vorbildlich, nach

Anleitung vor. Nicht nur, dass der Umzug an sich wie aus dem Bilderbuch verlief,

sogar am Zoll angemeldet, jeder Karton mit Zahl und Schrift versehen, machte sich

auch Bünzli bereits Monate vorher daran über Land, Leute und die Sprache Wissen

zu erlangen. Schliesslich kauft man ja nicht die Katze im Sack!

Detlef hortete Bücher an Bücher, hörte monatelang Musik und Hörbücher in

Schweizer Mundart und bestellte sich sogar: „Züritüütsch. Schweizerdeutsch, Ein

Lehrmittel für Fremdsprachige von Ann Beilstein- Schaufelberger.“ und lernte ohne

Pause Tag für Tag die 14 Lektionen mit CD und Übungsheft durch. Da ist der Bünzli

ganz Bünzli und war stolz darauf. Nachdem er nun bereits seit Jahren regelmässig

in die Schweiz fuhr und ihm es nicht gelang die sprachliche Barriere während dieser

Aufenthalte zu überwinden, tat er dies nach und nach mit gutem Willen und viel

Zeitaufwand durch diese Übungen. Detlef wusste bereits schon vorher, dass die

Schweizer keine unangepassten Fremden mögen, sagt man im Generellen so-

ohne provozieren zu wollen,

und wenn dann der Deutsche mit Mühe versucht sich anzupassen und sich

unter Schmerz und Müh´ein „Grüezi“ raus quält, wird er belächelt und bekommt

nur ein: „Ach, lass es doch lieber bleiben.“ Detlef ist noch nie in England einem

Engländer begegnet, der sagt: „Ach, sprich lieber Deutsch, dein Englisch tönt

gruusig.“ Natürlich klingt Detlefs Schweizdeutsch grausam und schrecklich, aber

Übung macht bekanntlich den Meister und wenn er schon versucht sich gebührend

anzupassen, sollte das dann nicht anerkannt werden? Wenn auch mit einem

Lächeln, aber ist es nicht wenigstens ein „Jööööö…“ wert, dass er sich die Mühe

überhaupt gibt? Auch jeder Grieche, Spanier, selbst die Ungarn oder Italiener freuen

sich, wenn nicht plump auf Deutsch bestellt wird, ein Königreich für den, der

zumindest Bier, als “Cerveza“ in Spanien ordert und ein Kaiserreich für den, der in

Italien nicht Pizzas, sondern „Pizze“ bestellt. Aber das nur nebenbei.

Also sitzt Detlef weiterhin brav und ruhig in seiner Ecke im Zugabteil, traut sich

nicht ans Natel zu gehen, fragt nicht, ob da noch frei sei, ehe er sich setzt und

umgeht auch sonst jedes Gespräch, um nicht als Deutscher erkannt zu werden.

Verfahrene Sache, das Ganze… Wirklich blöd. Ganz blöd. Schweizerdeutsch solle

er nicht reden, spricht er Deutsch, bekommt er automatisch den Stempel:

„durchgefallen!“ auf die Stirn und war oft schon ohne weiteres Mensch zweiter

Klasse. Iiiiiiiii… pfui Teufel… igit igitt… bähh… röchel… würg… uffz und räusper…

Ein Deutscher. Dumm. Ehrlich dumm. Was machen? Verzwickte Kiste.

Also schlängelt sich Detlef mit Unfreundlichkeit und augenscheinlicher Patzigkeit

durch die deutschsprachige Schweiz und versucht seinem Instinkt zu folgen.

Meistens spricht er also Deutsch, obwohl er Züritüütsch könnte, sich jedoch Hohn

und körperlichen Schmerz, vor allem in der Mund- und Rachengegend ersparen

möchte. Doch was macht der Schweizer? Anstatt den Deutschen zu ermutigen,

ihn zu unterstützen, denn das nenne man Fremdenfreundlichkeit, verliert es just

in dem Moment seine Muttersprache, die Mundart, und spricht nach bestem Wissen

und Gewissen Hochdeutsch. Schweizer Hochdeutsch. Und was macht Bünzli?

Richtig, anfangs machte er nichts. Doch, nachdem ihm sicherlich schon zig mal

entgegnet wurde, er solle doch besser Deutsch reden, als Schweizerdeutsch,

wirft er inzwischen, ganz nach protziger, arroganter deutscher Art, dem Schweizer

zu, dass er doch lieber Mundart sprechen solle (, schon um seiner selbst Willen).

Denn sieht man der Wahrheit ins Gesicht: „Wie hast du es?“, „Ich gehe auf den

Zug.“, „Ich habe kalt“, „Ich geniesse Badewanne.“ und „Ich gehe in Ausgang.“ sind

rein optisch schon eine Zumutung, aber quasi real und in Farbe von Angesicht zu

Angesicht ist es noch viel, viel, viel schlimmer. So schlimm, dass es Bünzli fast den

Atem nimmt. „Wie ich es habe?“, ähem, ja, wie ich was habe? Was habe ich denn?

Eine Erkältung? Ein leeres Konto? Nein, ich habe schlechte Laune, wenn man von

sich behauptet gutes Hochdeutsch zu sprechen und dann derartiges Kauderwelsch

zu Ohren bekommt. Und ich gehe auf den Zug, jedes mal möchte Detlef schreien:

„Nein, tu es nicht, geh nicht auf den Zug, hier hat es zu viele Unterführungen,

Kurven und es gibt bessere suizidale Vorgehensweisen!“

Bei „Ich habe kalt.“, bekommt Bünzli Schüttelfrost und kalte Beine und sieht zu

etwas zu finden, was warm gibt. Und selbst bei der Niederschrift des Falschen ist

Detlef geneigt sein Frühstück wieder zu begrüssen. Auch Sätze wie: „Ich geniesse

Badewanne“, die ihm sehr wohl schon begegnet sind, droht Bünzli zu überlaufen,

wie ein kochender Topf mit Milch. Und er brennt völlig an, wenn er zu hören

bekommt, dass sich jemand auf Ausgang befindet. Nun möchte Bünzli nicht die

Etymologie des Wortes „Ausgang“ analysieren, aber hat es nicht immer einen

seltsamen Beigeschmack? Assoziiert doch unser armer Bünzli, Charakter getreu,

immer etwas anderes damit… Jacke mit langen Ärmeln oder beschränkte Aussicht

mit täglichem Spaziergang in einem trostlosen Innenhof… Klingelt´s?

Nun gut, halten wir also fest, dass der Schweizer nicht möchte, dass der Deutsche

Schweizerdeutsch spricht. Was, nebenbei bemerkt, einfache Erklärungen hat, dass

vor allem der Deutsche aus dem Mitteldeutschen Raum nicht in der Lage ist,

Schweizerdeutsch unproblematisch aufzunehmen und zu sprechen.

Was relativ einfach mit der Sprachgeschichte zu belegen ist. Während sich die eine

oder andere Lautverschiebung ereignet hat, so könnte man behaupten, ist die

schweizer Mundart stehen geblieben. Böse ausgedrückt. Im Schweizerdeutschen

sind mittelhochdeutsche Monophthonge und Diphthonge enthalten, die der

Deutsche schon seit einer ganzen Weile nicht mehr im Sprachgebrauch hat.

Weder Konsonantismus, noch Vokalismus und erst recht nicht die Melodie und

Farbe der Sprache stimmen überein. Daher fragt sich Bünzli, warum nicht der

Schweizer dem Deutschen die Chance einräumt, die für ihn fremde Sprache zu

erlernen und auch zu gebrauchen. Jeder andere Fremde, sei er aus Dänemark,

England, Polen oder noch weiter her, wird ohne Einwand und gern mit viel

Zeitaufwand dem Schweizerdeutschen näher gebracht, warum nicht dem Deutschen,

wenn sonst schon seitens der Schweizer gebeten wird, ihre Mundart als eigene

Sprache anzuerkennen. Also, bitte schön, dann aber auch die Konsequenzen

tragen und den Spiess nicht drehen, wie es einem gerade in den Sinn passt.

Gern würde Detlef Bünzli manchem Schweizer sagen, dass er ihn doch bitte

Schweizerdeutsch sprechen lassen solle, er müsse ja auch das schweizerische

Hochdeutsch ertragen, was wahrlich keine Musik in deutschen Ohren ist.

Und so kommt Detlef zu dem frechen Schlusssatz: liebe Freunde aus der Schweiz,

helft ihr uns, helfen wir euch und lasst das Hochdeutsch Hochdeutsch sein,

adaptiert nicht das Deutsche, sondern bleibt beim Schweizerdeutsch, denn

schliesslich ist das die wahre Muttersprache der Schweizer und nicht das

Hochdeutsche. Aber auf dieser Diskussion möchte Detlef gar nicht rum reiten.

Seid ein wenig nachsichtig und geht nicht so hart mit dem Deutschen ins Gericht,

wenn er wieder einmal hoch rot angelaufen vor euch steht und sich ein:

„chuchichäschtli“ und Konsorten mit Stolz und Mühe raus presst.

Also ein fröhliches „Uf wiederluege!“,

euer Detlef

 

„Sammelsurium ad absurdum“ September 5, 2009

Einsortiert unter: Das tägliche Leben als Bünzli im Heidi-Land — Detlef Bünzli @ 3:44 pm
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„Sammelsurium ad absurdum“

Oder das Märchen vom Sammel-Schweizer…

Neulich führte Herr Bünzli eine moderne Konversation via Internet mit einem

Bekannten, ja Detlef gibt es sogar zu, einem Deutschen.

Stefan-Maik Majewski-Schultze ist ebenso ein offener Geist, glücklich in der

Schweiz, schon länger als Bünzli hier und machte Detlef darauf aufmerksam, dass er

doch mal den Sammeltick der Schweizer unter die Lupe nehmen könnte.

Vielen Dank an dieser Stelle an Stefan-Maik!

Anfangs dachte sich Bünzli noch nicht viel dabei, denn auch er hegt den einen oder

anderen Sammeltick, er sammelt Noten, ja, manch einer mag es kaum glauben, der

Bünzli ist ein Überraschungsei. Da spielt der seltsame Kauz doch tatsächlich ein

Instrument, sicherlich und sowieso die erste Geige, aber in Wirklichkeit klimpert er

ab und an auf seinem Akkordeon rum. Denn ein typischer Deutscher spielt natürlich

Akkordeon, wenn es schon nicht für ein Blüthner- Klavier reicht.

Detlef stapelt bis zur Decke seine Zeitungen, Rechnungen auf dem anderen

Stapel, Post von Hilde, der ehemaligen Nachbarin und Opa Horst, der ihm

grosszügig einen fünf Euro-Schein in Alufolie gewickelt, dazu legt. Die

verschiedenen Türme halten sich gegenseitig und werden von den Mengen an

Büchern gehalten, die dahinter stehen. Denn einst und nun lässt Bünzli ganz

überraschend die Hose fallen, studierte er Germanistik. Vermutlich hoffte Detlef

seinen Horizont durch dieses Studium erweitern zu können, doch leider musste

er nur den Kredit erweitern, denn mit diesem Studium verlor er nicht nur Zeit,

sondern auch Geld. Aber immerhin sind ihm die Bücher geblieben.

Aber zurück zum Sammeln. Als Bünzli noch jung und attraktiv war, jetzt ist er nur

noch „und“, suchte er nach einer subtilen Art zu flirten:

„Baby, willst du mal meine Briefmarkensammlung ansehen?“, zog verführerisch

die Augenbraue nach oben, den Bauch ein und kassierte prompt einen Korb,

das war dann das letzte, was Bünzli reichlich sammelte. Neben versetzten Dates und

dreckiger Unterwäsche von Schiesser. Doch seitdem er in der Schweiz weilt, hat er

nicht nur ein zusätzliches Zimmer, wo er seine Türme an Zeitschriften, Büchern und

Rechnungen adrett ordnen konnte, nein, er hatte zig neue Sammelleidenschaften

für sich entdeckt, auch wenn ihm diese erst nach der Anregung seines Bekannten

Stefan-Maik Majewski-Schultze aufgefallen sind.

Detlef setzte sich an einem ruhigen Abend, nachdem er die Tagesschau gesehen und

die Spiegeleier an Ketchup am verdauen war, vor diese einschüchternden modernen

Suchmaschinen, die einem Sinn, Verstand und jeglichen Lauf zur Bibliothek

ersparen, um über das Sammeln in der Schweiz zu forschen.

Heiliger Strohsack, entfuhr es dem Bünzli und konnte sich kaum an seinen

Hosenträgern halten. Du grüne Neune, auf den Schrecken brauchte Detlef erst

einmal einen gepflegten Korn, ganz nach dem Motto von Heinz Erhardt:

„Und wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn und wenn ich dann noch

traurig bin, trink ich noch n Korn!“ Kann man völlig unproblematisch für alle

Lebenssituationen ummünzen. Daher, neu nach Bünzli: „Und wenn ich mal

erschrocken bin, trink ich noch n Korn…“

Nun… hach je… seufz… stöhn… mal noch n Korn schnell nehmen. Gut, dass jeder

vorbildlicher Deutsche zumindest Obstler, Jäger oder Korn zu Hause hat!

Prost, du Sack! Ach was soll der Geiz, gleich noch einen rein.

Also, schon leicht verschwommen vernahm Bünzli, dass man Punkte,

Coupons, Einkaufsgutscheine, Sammelkarten, Marken, Rabatt-, Aktions- und

Sparscheine umsonst und geschenkt frei obendrauf sammeln kann.

Wenn man nicht gerade Sticker, Sammelbilder oder sonst dergleichen für

Nachbarskinder oder eigene sammeln muss, weil die sonst in ihrem kindlichen

Wahn mit Hungerstreik, Schreiterror oder mit Spuck- und Tretattacken drohen.

Migros, Coop, Volg, Landi, Bauhaus, Hauenstein, Jelmoli, Manor, Ochsner,

Vögele, um nur ein paar zu nennen. Im grossen Stil kann man dort mit seinem

Heftchen, wie die kleinen Kinder, Märkli oder Punkte auf der Karte sammeln.

Leider endet das so, dass man als ungeübter Deutscher seinen Geldbeutel halb

auskippt, alle Karten aus den Ritzen zieht, wie wild fuchtelt, um mit der anderen

Hand die Waren zu halten und unfreiwillig zur Show-Einlage an der

Kassenschlange im Volg wird. Metzger, Bäcker, Fahrradwerkstatt, Coiffeur, usw.

Bruuchet Sie d Märkli?“, dammi nomol, gib schon her und wieder haut Bünzli

die Dinger in sein Säckli, um daheim Märkli für Märkli ins Heftchen zu kleben.

Mit einem Augenleiern denkt er sich dann dabei, na ja, dass ja doch immerhin ein

paar Stutz zurück kommen und sich natürlich der ganze Aufwand lohnt wochenlang

minutenlang Zeit zu verplempern, um dann eine gelbe Primel als Geschenk zu

bekommen, die er sich dekorativ neben seinen abgenutzten grünen Ohrensessel

stellen kann. Prima. Also hat Bünzli bewiesen, dass dieses Sammeln keinesfalls

sinnlos oder gar absurd sei, nein, lieber Stefan-Maik Majewski-Schultze, was damit

an Geld gespart werden kann… und er, als Deutscher sollte eigentlich wissen:

„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“

Daher liebe Sammelmuffel, nicht nur Flaschen und Papier sammeln, um sie

dann genüsslich jeden 2. Samstag mit der gesamten schweizer Dorfgemeinschaft

entsorgen zu können, sondern auch die Punkte, Märkli und Coupons.

Auf ein fröhliches Anhorten,

Detlef Bünzli

 

Oh Cervelat, oh Cervelat! September 4, 2009

Einsortiert unter: Kurze Anekdoten von Herrn Bünzli — Detlef Bünzli @ 9:03 am
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Oh Cervelat, oh Cervelat!

Gestern war Herr Bünzli nach dem Fiirabig mit Bekannten im Usgang.

Auch etliche jungen Frauen waren anwesend und auch die der eigentlichen

Muttertier-Generation zwängten sich mit ihren fünfundfünfzig Kilo in das viel zu

enge Kleid aus Mango, wie eine Wurst in die Pelle,

und meinten damit die Männerwelt zu bezirzen.

Jedem unweiblichen Klappergerüst, dass auf High-Heels die Strasse entlang

stolzierte und wirkte, wie ein dürrer Storch, der durch ein Feld voll Kopfsalat stakst,

möchte Detlef laut zurufen: „Mäitli, iss doch mal ne Cervelat!“

Nach ein paar Stangen guten Gerstensafts, (obwohl Bünzli als Deutscher natürlich

Verfechter des deutschen Biers ist, denn wie auch anders) fand er den Satz so lustig,

dass er noch immer auf der Heimfahrt darüber ab lachte. Auf dem Weg vom Bahnhof

durch die Strassen in seine kleine Wohnung, dachte er darüber nach, wie immens

doch die Bedeutung der Cervela sei. Schliesslich und endlich fiel er fix und fertig mit

sicherlich und mindestens einem Bier zu viel und einem galligen Rülpser, noch in

Cordhose und im Feinripp- Unterhemd, ins Bett.

Nun, ein neuer Tag ist angebrochen und Herr Bünzli nutzt heute seinen Elan, um

dem heimlichen Helden der Schweiz Ehre zu gebühren, wie es sich untergeben

gehört. Nachdem er den Kater aus seinem Gesicht gewaschen hatte und mit etwas

gutem Willen sich immerhin wieder im Spiegel erkannte, setzte er sich an seinen

Schreibtisch und schrieb eine kleine Ode an die Cervelat.


Oh Cervelat, oh Cervelat,

Gott sei Dank bist du ja da.

Ob Hunger oder blosse Gier,

ich danke dir, denn du bist hier.

Wie die einen Schweizer meinen,

besser geschnitten mit den Beinen,

oder auch mit Kunst im Kreuzerschnitt,

bringt dich jeder zur Grillade mit,

denn nur du bist dort der echte Hit!

Ach Cervelat, ach Cervelat,

das es dich gibt ist wunderbar!

Drum halten wir dich stets im

Gedächtnis als Vermächtnis,

denn du bist einzig hie und da,

du- so fein und würzig-

die einzig wahre Cervelat.

Oh Cervelat, oh Cervelat,

liegst im Darm ganz warm

und was macht die Welt nur ohne dich?

Richtig, sie dreht sich weiter-

heiter für mich- und auch dich.


Nach diesem kleinen künstlerischen Erguss, wenn der auch dem Restalkohol

verschuldet sei, muss, oder besser sollte man zumindest eins begreifen:

Wer ist schon Wilhelm Tell? Gegen die Cervelat kann der lustige Knabe mit dem

Pfeil einpacken. Der einzig wahre Held der Schweiz ist nach DJ Bobo die Cervelat.

Wenn nicht sogar davor. Es wundert Detlef, dass die Cervelat nicht bei der Sendung

von 3plus: „Die beliebtesten Schweizer“ auf Platz 1 gelandet ist, dahinter DJ Bobo,

gefolgt vom Quöllfrisch und von Kägi fret!

Aber nun gut, mit einem Zittern in den Kniekehlen, schweissnassem Rücken und

zuckendem Auge vernimmt Bünzli nochmals die drastischen Zeitungsartikel,

die einst die Schweiz erschütterte, im Stil von:

Rettet die Cervela- Schweizer Kulturgut droht unterzugehen.

Die Werte der Schweiz gehen verloren!

Die Welt geht unter, die Cervelat bekommt keinen brasilianischen Rindsdarm mehr!

Sehr schön zu lesen unter:

http://www.die-ostwestfalen.de/wirtschaft/rettet-die-cervela-schweizer-kulturgut-droht-unterzugehen-solidaritaet-aus-owl/

oder unter:

http://www.nzz.ch/2007/06/08/vm/articleF8T93.html

Aber nun sehen wir mal der Wahrheit ins Gesicht, auch wenn es schmerzt,

aber Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung.

Es dreht sich hierbei alles um eine Wurst. Ja, die Augen des Lesers trüben nicht.

Eine Brühwurst. Eine zusammen geschnetzelte Wurst aus Rind, Schwein und

Gewürzen und Detlefs Meinung nach, viel zu viel Pökelsalz.

Was soll also dieser Terz um die Wurst. Es ist nur eine Wurst.

In Deutschland die Bockwurst, in der Schweiz die Cervelat. Und meine Freunde,

der Vergleich hinkt nicht. Die Welt geht nicht unter, wenn man mal im Migros

nicht das Familienpack erwischt und die Grillade wird auch mit einem Steak ganz

witzig. Und zur Beruhigung aller Geister, runter fahren, die Beruhigspillen

schlucken und tief durch atmen, es ist doch schon längst Ersatz gefunden:

August 2008 wurde gemeldet, dass die Versorgung mit argentinischen,

uruguayischen und paraguayischen Importen – als Ersatz für brasilianische

Rinderdärme – gesichert sei. Also, Gott sei mit der Wurst und den vielen

argentinischen, uruguayischen und paraguayischen Rindern, auf dass ihr Darm

schön zart bliebe!

In dem Sinne, einen guten Appetit und versucht es doch mal zur Abwechslung mit

einer Thüringer Bratwurst,

Euer Detlef, die Bockwurst, Bünzli Cervelat

 

 
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